Entwurf - Bristol M32
Erläuterungen - Commentary
Prof. Klaus Schäfer, Lehrstuhl Städtebau, Hochschule Bremen, September 2013

Entwürfe zur M32 – Newfoundland Road, Bristol


In einem Workshop im Herbst 2012 an der UWE (Prof. Richard Parnaby, Ann de Graft-Johnson, Matthew Hynam, University of the West of England) in Bristol haben Studenten aus Bremen des 5. Studien-Semesters mit Kommilitonen desselben Jahrgangs vor Ort gemeinsam städtebauliche Konzepte entwickelt. Gegenstand der Untersuchung war ein Highway der die Stadt Bristol in nordöstliche Richtung verlässt und mit dem Autobahnsystem Richtung Wales und London verbindet. Diese Schnellstraße stellt einen typischen Eingriff der Verkehrseuphorie der 1970er dar, wie wir sie in ganz Europa finden. Auch hier hat sich die Stadtstruktur der durchschnittenen Stadtteile nie wieder von diesem Schaden zugunsten des schnellen Transits erholen bzw. rekonstituieren können.

 

 Teilnehmer aus Bremen:
Maria Theresa Cal, Sibel Cetin, Afsson Ebrahimkani, Khaled El Khaled, Eliza Erdlen, Christin Maria Funke, Tanja Heitmann, Karen Hinrichsen, Patrik Kantereit, Rafiandy Latief, Juliane Lütkemeyer, Marcella Christina Matthäi, Pablo Murillo Landin, Aleksandra Nieduzak, Wajih Sabra, Katharina Senzel, Elena Soria Alfranca, Rafał Stabryła, Jacek Tobys und Maxim Vetter.

 

In der Dokumentation sehen Sie zunächst die Entwürfe, die während eines Semesters in Bremen nach dem Workshop entstanden.  Die hier präsentierten Projekte ersetzen die Stadtautobahn durch eine breite leistungsfähige Stadtstraße, die den Transitverkehr genauso aufnimmt, wie den örtlichen Verkehr der Quartiere, für den Autoverkehr genauso geeignet ist, wie für eine Trambahn, Fahrräder und Fußgänger.

 

Schwarzplan mit der M32

 

Schwarzpan mit den Projekten aus Bremen (Abriss = gelb, Planung = rot)

 

Brief (M32) - From Newfoundland Road to Muller Road

Requirements After the Workshop in Bristol
As the basis of planning for the next stage of our project, the M32’s character as a stand-alone motorway should be changed. It seems practical to replace it with a broad, high-capacity, urban street, which will have to satisfy many different requirements in future. On one hand, it should remain part of the national road network and, on the other, it should serve the local needs of the city. To this end, we need a new architectural and urban planning scheme that crosses the new traffic artery, as well as planning proposals for neighbourhoods that demonstrate the benefits of such a transformation. These neighbourhoods can be additions to (or expansions of) existing city districts, or even entirely new creations.
 

Broader Context
A highway with the character of a boulevard, which retains its function as a determinant of the city – given the current oppressive (raised) situation along the motorway, this would be the appropriate transformation of a measure that dates from the traffic planning of the 1970s. St. James Barton roundabout is the point at which different types of traffic begin to be routed separately, in violation of the neighbourhood and its legitimate right to public open space, as well as its need to be connected to the road network, whether accessing it directly or crossing it. Looking at the neighbouring districts in terms of the overall city structure, the logical eastern limit seems to be Muller Road, functioning as a lateral connection. These two features define the zone for planned demolition.

Concept for a Place
Our general analysis now allows spatial concepts to be developed for individual areas. On the basis of your own research, choose a place along the M32 for which you want to draw up an architectural and urban design scheme. This should fulfil the requirement to dismantle the motorway and should follow it through consistently in a way that demonstrates clear benefits for the city. After a preliminary exercise in urban planning (scales 1:1000, 1:500) you should develop the project in greater detail at scales of 1:200 to 1:100. This stage should be limited to a sample group of buildings, or a single larger structure.

 

Aufgabenstellung (M32) - Von der Newfoundland Road zur Muller Road

Vorgabe nach dem Workshop in Bristol
Die M32 sollte als planerische Vorraussetzung für den weiteren Verlauf unseres Projekts als solitärer Highway aufgegeben werden. Als ein sinnvoller Ersatz erscheint eine breite leistungsstarke Stadtstraße, die in Zukunft vielerlei Bedingungen gerecht werden muss. Einerseits sollte sie als überregionale Verbindung bestehen bleiben aber gleichzeitig den lokalen städtischen Bedürfnissen gerecht werden. Dafür brauchen wir einen neuen städtebaulich-architektonischen Entwurf im Querschnitt der neuen Trasse und städtebauliche Entwürfe von Quartieren, die den Gewinn einer solchen Transformation aufzeigen können. Diese Quartiere können Erweiterungen (Arrondierungen) von vorhandenen Stadtteilen sein und auch neu gebildet werden.

Übergeordnet
Eine Magistrale mit Boulevard-Charakter, die ihre Funktion als bestimmender Ordner der Stadt behält, wäre angesichts der bedrückenden (Hoch-)Lage entlang der M32 die konsequente Umformung eines Schrittes aus der Verkehrsplanung der 1970er. Schon am St.James Barton Roundabout beginnt die nach Verkehrsarten getrennte Führung gegen eine Nachbarschaft und ihre berechtigten Ansprüche an einen öffentlichen Raum und auch deren Bedürfnisse nach einer Verbindung an das Verkehrsnetz, sei es einer direkten Anbindung oder einer Querung. Ein sinnvolles Ende in Richtung Osten aus einer übergeordnet stadtstrukturellen Sicht auf die umliegenden Stadtteile scheint mit der Muller Road als Querverbindung gegeben. Damit wäre der Bereich für einen zweckmäßigen Rückbau benannt.

Konzept für einen Ort
Aus den übergeordneten Erwägungen lässt sich nunmehr ein räumliches Konzept für einzelne Bereiche entwickeln. Suchen Sie sich nun anhand Ihrer eigenen Recherche einen Ort entlang der M32 für den Sie ein städtebaulich-architektonisches Projekt erarbeiten wollen. Das Motiv eines Rückbaus der Autobahn sollte dort angewendet und konsequent umgesetzt werden, um den Gewinn für die Stadt daraus zu demonstrieren. Nach einer städtebaulich zu entwickelnder Setzung (M.: 1.1000, 1:500) soll die weitere Projektausarbeitung im Maßstab 1:200 bis 1:100 erfolgen. Diese beschränkt sich auf ein beispielhaftes Gebäudeensemble oder größeres Bauwerk.

 

Filmstills aus dem Video „Autobahn“ von der Band Einstürzende Neubauten

Stills from the video “Autobahn” [motorway] by the band “Einstürzende Neubauten“ [collapsing new buildings]

 

These:
Es gibt keinen großen Streit darum, wo und an welcher Stelle eine Stadt, wie Bristol, angenehm erscheint. - Ist es denn utopisch die lebenswerte Stadt einzufordern?
Drängte man danach in einem konsequenten Schritt die Wunden dieser Stadt im Verlust ihrer Urbanität zu beheben, so darf man sich vor Augen führen, wie radikal der Bau einer M32 selbst war.

 

Thesis:

No one would disagree as to where the pleasant areas of a city like Bristol are.
Is it then utopian to demand a liveable city?
As a consequent step to remedy the wounds and reinstate urbanity the radical nature of the implementation of the M32 becomes clear.