Ferrara, Emilia-Romagna, Quartiere Volano
Der Ort und die Konzepte
Prof. Klaus Schäfer, Wintersemester 2015/16

Lage der Stadt in Norditalien, Gebiet im Süden der Stadt, Torhaus zum ehemaligen Blumenmarkt, Deponie für Baumaterial

Aufgabenstellung Ferrara
500 Jahre sind in der Entwicklung von Architektur und Städtebau ein Zeitraum, der in Kategorien hineinreicht, in denen die Fortentwicklung unserer europäischen Zivilisationsgeschichte zu einer ‚aufgeklärten Gesellschaft‘ an sich schon durchstreift wird und sich im Gebauten abgelagert. Große Worte, aber auch nicht minderwichtige Zeichen, deren Zeugnis sich noch heute für uns in der Architektur Ferraras ausdrückt, zumindest dann, wenn sie ein ganzes Zeitalter mitbegründet, so wie hier die Renaissance als Merkmal von etwas, das weit über die Grenzen der Stadt hinausweist.

500 Jahre ist das Alter der Stadtmauer des Architekten Biagio Rossetti, die den ersten modernen Stadtplan – einen vielgerühmten – eingrenzt, der ebenfalls auf seine Mitwirkung zurückzuführen ist. Der Plan wurde bis in die Gegenwart nicht vollständig mit einer städtischen Bebauung ausgefüllt, doch beschreibt seine Begrenzung zum Umland eine Linie, die bis heute auf faszinierende Weise ein Innen und ein Außen voneinander unterscheidet.
So steht die einstige Verteidigungslinie zwischen Wüstung und Zivilisation, Fruchtland und Marktplatz, Überschwemmungsgebiet und Ufer, Wildnis und Behausung. Zwei architektonisch gegensätzliche Welten der Form und des Ausdrucks treffen hier auch aus heutiger Sicht immer noch aufeinander. Die offene Bebauung steht der geschlossenen Bebauung gegenüber. Das maßlos Unbestimmte stößt an das Umgrenzte und Verbindliche. Dort der halböffentliche Raum begrenzt von privaten Interessen, hier der gemeinschaftlich gefasste öffentliche Raum in seiner konstituierenden Wirkung.
Eine zweite Raumkategorie, doch eine in ebensolchen Zeitdimensionen agierende Kraft, bildet das Po-Delta. Seine historische Dynamik wirft in seiner unmittelbaren und regionalen Bedeutung für die Stadt, neben den seismischen Naturgewalten, bis in die Gegenwart existenzielle Fragen auf.

Im südwestlichen Grenzbereich der Innenstadt zwischen dem Flussverlauf des Po di Volano und der ehemaligen Festungsanlage befindet sich heute ein heterogenes Feld offener, improvisierter, inselartiger und temporärer Lagen. Die miteinander verschlungene Geschichte beider Raumelemente an dieser Seite Ferraras zeigt sich heute als Interferenz zweier konkurrierender Linien. Hervorgehoben werden muss, wie sehr dieser Gürtel um das Hafenbecken am historischen Verlauf des Po eine bedeutende Lage zum Stadtkern und zum Fluss besitzt und wie wenig die städtebauliche und architektonische Situation dem heute qualitativ entspricht.

In unserem gemeinsamen Projekt wollten wir hierfür nach architektonischen Lösungen suchen, die einen städtebaulich sinnvoll erscheinenden, weil nachvollziehbaren Kontext schaffen. Grenzziehung und Zusammenhang können hier gleichermaßen konzeptionelle Ziele sein. Wahrscheinlich gibt es nicht ‚die eine Lösung‘ für eine Vielzahl von Problemstellungen. Es konnten Typologien für ausgewählte Situationen entwickelt werden, Bausteine, die für einen oder mehrere Orte räumliche Lösungen schaffen.
Wichtig war die Analyse der vorhandenen Struktur, die Suche nach ‚urbanen Inseln‘ als Grundgerüst für das Neue. Wie bewerten wir die räumlichen Potentiale? Wie kann die Nachbarschaft unterschiedlicher Nutzungen weitergeführt werden? Was sind die geeigneten Maßstäbe?

Po die Volano mit Blick von Süd-Osten und Blick über den Hafen, monumentale Stadtmauer mit Südtor und im Süd-Westen des Gebiets

Die Auswahl der städtebaulichen Konzepte:

Monica Gomez, Alice Pechtold


Jan Laaser, Marilena Meyer


Nicolas Padinha, Annika Wilming