Entwurf - Stadt als Utopie - Bremen
Philipp Oster
Philipp Oster, 26.3.2009

 

Stadt als Utopie

 

Zu den städtebaulichen Problembereichen Bremens zählt der Bereich um die Oldenburger Straße und nördlich davon Bezirke in den Stadtteilen Walle, Findorff sowie Mitte. Die Stadtautobahn sowie eingrenzende Gleisanlagen – insbesondere der stillgelegte Rangierbahnhof - bewirken eine Durchtrennung der Stadt und verlangen nach einer stadtplanerischen Neugestaltung des Quartiers.
Die Huldigung vieler Großprojekte in den 1960er-Jahren führte zur Destruktion der Innenstadt, zum Bau von Stadtrandsiedlungen und begünstigte gar die Stadtflucht; ad absurdum ist durch dieselbe Fehlplanung mittlerweile ein Trend zum innerstädtischen Wohnen festzustellen, etwa um dem täglichen Verkehrskollaps, steigenden Autokosten und der Umweltbelastung entgegen zu wirken.
Auch um der Veränderung unserer Gesellschaft Folge zu leisten, wie einer zunehmenden Singualisierung, gilt es, den Bedarf dieser neuen Nutzergruppen zu decken. Dabei werden nicht nur die Anforderungen an die Wohnung differenzierter, auch das Wohnumfeld sollte dieser Entwicklung nachkommen.
Dazu gehören Notwendigkeiten wie die Schaffung sozialer Interaktion, Dienstleistungsangebote und eine gute Erreichbarkeit, um Dinge des täglichen Bedarfs zu decken. Ein attraktives Wohnquartier braucht zudem Wege, die zu Fuß, mit dem Rad und durch eine gute Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr erschlossen werden können. Diese Bedürfnisse sind in meinem Konzept berücksichtigt. Es ist ein 62 ha großes Areal zwischen Innenstadt, Überseestadt, Utbremen, Westend und Findorff beplant worden, das eine Verbindung zu bestehenden, gewachsenen Quartieren gewährleistet (siehe orangefarbige Hervorhebung auf dem Schwarzplan).
Der bestehende Gebäudebestand ist weitestgehend erhalten geblieben.
Einer der wenigen Eingriffe sieht den Abriss eines Gewerbegebäudes (BLG-Lager) vor, da anzunehmen ist, dass für die Firma aus verkehrspolitischen Gründen das Lager wirtschaftlich uninteressant wird. Für die Anwohner hingegen ergibt sich der Vorteil einer problemlosen Verbindung zur Überseestadt.
Ein wesentliches Merkmal des Entwurfs ist die Verdichtung von Wohnraum. Überwiegend ist eine Blockrandbebauung vorgesehen; diese Bautypologie bewirkt eine spürbare Geschlossenheit und trägt durch die klaren Eingangsbereiche zur Adressbildung bei. Lediglich Gebäude, die sich für Besucher „öffnen“ sollen, wie die Bibliothek, sind u-förmig gestaltet.
Die Neubebauung sieht überwiegend drei- und einige viergeschossige Häuser vor, die neben Wohnraum auch Laden-, Dienstleistungs- sowie Büroflächen beinhalten. Berücksichtigt wurden weiterhin öffentliche Einrichtungen für Erziehung sowie Begegnungs- und Kulturstätten. Am Ende der Achse ist eine Sondernutzung durch ein Museum vorgesehen (M).
Die geplanten Gebäude sind auf allen Plänen weiß gekennzeichnet, wobei die neuen öffentlichen Institutionen auf folgende Nutzung verweisen: S: Schulen incl. Erweiterungsbauten; KG: Kindergärten; BS: Begegnungsstätten; BIB: Bibliothek; SP: Sport).
Eine weitere Besonderheit des Quartiers sieht den Abbau der in der Vergangenheit entstandenen (baulichen) Barrieren vor. Zu den wesentlichen Hemmnissen zählen zum einen der Individualverkehr - insbesondere die Oldenburger Straße - und zum anderen die Gleisanlage der DB; beide Begrenzungen sind für eine Zerschneidung des Areals verantwortlich.
Um eine durchlässige Querung zu erreichen, ist eine aufgeständerte Bahntrasse geplant (grau markiert). Wenngleich dieser Entwurf zunächst visionär scheint, so werden seine Vorteile am Beispiel des Hochbahnnetzes der S- und U-Bahnen in Hamburg und Berlin deutlich. Das Wohngebiet ist für alle Verkehrsteilnehmer durchlässig, die darunter liegende Fläche ist für Märkte und als Parkplatz nutzbar.
Ein weiteres Problem stellen der Pendlerstrom (von und nach Richtung Oldenburg) und der LKW-Güterverkehr dar. Begünstigt wird das hohe Verkehrsaufkommen derzeit durch die mehrspurige Oldenburger Straße, die einen ungehinderten Transit über die Weser zulässt. Zu einer Entschärfung wird nach ihrer Fertigstellung die A281 beitragen, gleichwohl müssen Maßnahmen getroffen werden, die eine Durchfahrt durch das Wohnquartier unattraktiv machen. Geplant ist daher die Umgestaltung des Straßenraums, d.h. die Verschmälerung der Oldenburger Straße und im Quartier selbst wird sich das Verhältnis der Flächen von motorisiertem Verkehr zu Gunsten von Fußgängern und Radfahrern verändern. Weiterhin sind verkehrsberuhigte und Tempo-30-Zonen sowie eine Reduzierung von Verkehrsregeln (Shared Space) vorgesehen.
Der zunehmende Wunsch nach einem Wohnen in der Innenstadt scheint längst keine Utopie mehr zu sein, wie Studien des Deutschen Instituts für Urbanistik (2006) belegen; allerdings bedarf es einer Umsetzung von Stadtpolitikern und Planern. Quartiere zu urbanisieren, wie das hier beplante, würden nicht nur einer realistischen Nachfrage entsprechen, sondern zu einer Aufwertung der Stadt Bremen beitragen.


City as Utopia

The area around Oldenburger Straße and the precincts to the north in the districts of Walle, Findorff and Mitte are among Bremen’s urbanistic problem areas. The city highway and the bordering railyards particularly the disused switching yard‹sever the city and call for a restructuring of the neighbourhood in terms of urban planning. A 62-ha site (approx. 153 acres) that ensures a connection to existing, mature neighbourhoods (see orange-coloured highlighting in the figure-ground plan) has been planned. The design includes two basic features.
On the one hand, it concerns reducing (constructive) barriers that have developed in the past. In order to obtain a permeable crossing, an elevated railroad line is planned; the area below can be used for markets and as parking. Additionally, it requires reducing private transport. After its completion, the A281 highway will help to defuse the situation, but nevertheless, measures must be taken to make transit through the residential neighbourhood unattractive. Just as the reconfiguration of street space is planned, i.e. the narrowing of Oldenburger Straße, the proportional area given over to motorized traffic within the neighbourhood itself is to be changed in favour of pedestrians and cyclists. The other feature is the consolidation of living space and conservation of the existing building stock. Perimeter block development is predominantly planned; this building typology yields a perceptible sense of enclosure and contributes to identification of place with its articulated entrance areas. Only buildings that should "open up" to visitors, such as educational institutions as well as meeting places and cultural facilities, are u-shaped in form. The new construction will be primarily three-story buildings and some four stories in height, all of which[DK1] also accommodate retail, service and office spaces in addition to living space. A museum is planned as a special use at the end of the axis.
The increasing desire to live in the city centre no longer appears to be a utopia, as studies by the German Institute of Urban Affairs (2006) show; however, it requires implementation by city politicians and planners. Urbanizing neighbourhoods, like that shown here, would not only respond to a real need, but also contribute to enhancing the city of Bremen.