Entwurf: Stuttgart - Von der Autostadt zur Bürgerstadt
Arnulf-Klett-Platz, Schillerstraße
Jens Reichelt, Mai 2012

Die Arbeit setzt sich mit den vorhandenen recht groben Maßstäben der Räume vor und um den Bonatz-Bau auseinander. So versucht sie zwischen der Monumentalität der Bahnhofsfassade und den Block- und Hausgrößen des Stadtzentrums konstruktiv zu vermitteln und eine geeignete Architektur-Sprache zu entwickeln. Portale in den nunmehr ‚angemesseneren Räumen‘ weisen auf die verdeckten Eingänge der vorhandenen Bebauung hin. Kleine Plätze schaffen ein Gegenüber von Eingangsportal und Königstraße und eine Beziehung zum Bahnhofsturm.
Ebenso konstruktiv setzt die Arbeit am ‚scheinbar‘ unter dem Terrain quer liegenden neuen Tiefbahnhof an, in dem mit hängenden Gärten und einer Blockrandbebauung nach einer städtischen Rahmung gesucht wird. Wichtig ist dem Autor dabei, eine direkte Anbindung an das Straßennetz nach Norden parallel zum Schlossgarten herzustellen, um somit die mangelhafte Vernetzung des Stadtteils auf dem bisherigen Gleisfeld auszugleichen - Motiv für den hierarchiefreien urbanen Charakter im Stadtverkehr, dem Miteinander von Bewegungen und der Vermeidung von Umwegen.KS

 

Schwarzplan

 

STADTUMBAU 21 - Verknüpfung von Bahnhof - Stadt - Park 

Konzept 
Der städtebauliche Entwurf befasst sich mit der Verkehrsproblematik Stuttgarts: Autos regieren die städtischen Wege, während der Fußgänger in den Untergrund gedrängt wird. 
Die Konzeptidee besteht darin, den verkehrsreichen Straßenfluss unmittelbar am Stuttgarter Hauptbahnhof mit Hilfe von Bausubstanz zu verdichten. Es soll eine gleichberechtigte Straßennutzung für Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer entstehen. Des Weiteren gilt es ein besseres Stadtgefüge zu schaffen, indem der Bahnhof - sei es der bestehende Bau von Paul Bonatz oder Stuttgart 21 - mit der Einkaufsmeile, der Königsstraße, sowie dem angrenzenden Schloßgarten verknüpft wird.

Verbesserung des City-Rings 
Arrondierungen im Bereich des Arnulf-Klett-Platzes verengen den automobilen Verkehrsfluss und lassen diesen über weitere infrastrukturelle Konzeptideen, welche den City-Ring betreffen, ausweichen. Ein wesentlicher Ansatz hierfür wäre, den Ring nicht als alleinige Hauptverkehrsader zu betrachten. Indem mehrere Straßen innerhalb des City-Rings rasterförmig durchgeführt würden, wäre der Autofahrer nicht gezwungen dem strikten Kreisverlauf zu folgen - der Verkehr im innerstädtischen Bereich würde sich streuen und nicht stauen. Die drei Gebäudekomplexe dienen der gewerblichen Nutzung, u.a. als Hotelerweiterung.

Bahnhofsvorplatz 
Die Gebäudeaufteilung am Arnulf-Klett-Platz ist so angeordnet, dass sie den Eingang des Bonatz-Baus freilegen und vor ihm einen Shared Space entstehen lassen. Dieser empfängt die Bahnhofsankömmlinge und leitet sie auf direktem Wege in die Einkaufspassage. Ein Umweg durch Unterführungen ist aufgrund des übersichtlichen Verkehrsaufkommens nicht nötig, besteht jedoch weiterhin im West-, Ost- und Südbereich des Bahnhofs.

Parkanbindung 
Der Mittlere Schloßgarten, nördlich der Schillerstraße, wird von Blockrandbebauungen bis zur abschließenden Bahnhofslänge des Ostflügels eingefasst. Sie spiegeln sich als Adaption des zukünftig abgerissenen monumentalen Gebäudeteils wider und zeigen dessen baulichen Wert für die Stadt auf. Die Baustruktur der Konrad-Adenauer-Straße wird in der Willy-Brandt-Straße weitergeführt und grenzt diese schwerwiegende Verkehrsader vom Park ab. Die in den Innenstadtbereich hineinragende "Grüne Lunge" bleibt erhalten. 
Eine Freiraumplanung in Form von Hängenden Gärten greift die Geländeanhebung im Park von etwa 6 Metern auf, welche aus der Planung der unterirdischen Gleisanlagen von Stuttgart 21 resultieren wird. Die von den Stuttgart 21-Planern nicht berücksichtigte Straße Am Schloßgarten wird in Form einer Rampe in dem Projekt wieder aufgegriffen, da sie eine wichtige Anbindung zum neu geplanten Europaviertel stellt. Ein eingefasster Platz östlich des Bahnhofsturms, verleiht diesem mehr Ausdruck und öffnet eine direkte Verbindung zum Schloßgarten.

Verdichtung der Verkehrskreuzungen 
Westlich des Bahnhofs, beidseitig der Heilbronner Straße, entsteht jeweils eine weitere Blockrandbebauung als Mischfunktion ausgelegt. Diese, sowie die bauliche Erweiterung in der Konrad-Adenauer-Straße / Williy-Brandt-Straße schaffen nicht nur eine Verdichtung in der Schillerstraße, sondern ebenfalls ein kontrolliertes Verkehrsgefüge an den beiden anknüpfenden Hauptkreuzungen des City-Rings. 
Jedes der konzipierten Gebäude kann von allen Seiten für den Fußgänger erschlossen werden. Zweigeschossige Gebäudeöffnungen ermöglichen dem Nutzer mit dem Kraftfahrzeug direkt in den Hinterhof zu gelangen. Des Weiteren stellen sie bei den gewerblichen Gebäuden am Arnulf-Klett-Platz eine innerstädtische Verbindungspassage her.

 

Konzept

 

STUTTGART RESTRUCTURING 21 - The connecting of station - inner city – park

Concept 
The city planned concept is attending to the problem of traffic that currently exists in Stuttgart: The streets are controlled by cars while pedestrian become displaced downwards to the underground. One solution will be a more well-arranged traffic circulation in front of the main station by compacting new built volumes on the road. There should be an equal using for pedestrian, bicyclists and vehicles. Furthermore, it's necessary to create an urban connection of the existing station by Paul Bonatz or the new planned 'Stuttgart 21' and the shopping mall 'Königsstraße'. The park 'Schloßgarten' next to the train station needs a better integration as well and not a dividing 10-lane-street in between.

Improving the 'City-Ring' 
The formation of new buildings constricts the automobile traffic at the 'Arnulf-Klett-Platz'. That leads to an infrastructural idea which forms the 'City-Ring' not anymore to an exclusive ring. Rather, a pattern of continuous streets inside the ring wouldn't force the vehicle drivers to follow strictly the circle for reaching the destination. In the city-centre traffic jams will be spread. At the 'Arnulf-Klett-Platz', the three new complexes of buildings are conceived for commercial use, e.g. hotel expansion.

Station forecourt 
In front of the already existing main station, the parcelling is split in a way that the entrance becomes more representation. There will be formed an open 'shared space' which welcomes the travellers and leads them directly to the shopping mall. A detour through the underground isn't necessary anymore. However, the undergrounds will be kept each in the west, east and south of the station.

Connecting the park 
In the north of the 'Schillerstraße', the 'Mittlerer Schloßgarten' is enclosed by some perimeter block developments. They adapt in its city planned structure the eastern part of the main station by Paul Bonatz. In the near future, the eastern part of the building will be demolished because of the new planned 'Stuttgart 21' main station. Overnight, the western part of the building was demolished while the project 'Stuttgart 21' had been accepted. That led to a lot of demonstrations of the population of Stuttgart. The structure of buildings of the 'Konrad-Adenauer-Straße' will be continued in the 'Willy-Brandt-Straße'. The new formed perimeter block developments separate the traffic and the park. Furthermore, the 'Green Lung' of the city will exist in the future. A park elevation of about six meters will be a result of 'Stuttgart 21' and its railway tracks in the underground. An open space planning in form of 'Hanging Gardens' fits in the park elevation. Besides in the concept of 'Stuttgart 21', the street 'Am Schloßgarten' is unconsidered. The project seizes a suggestion to rebuild the road as a ramp above the small glass installations of 'Stuttgart 21'. It creates an infrastructural connection to the 'Europaviertel' which is planned behind the currently existing rail head. In the eastern front of the tower of the station, a further open space is planned. It represents the entrance of the tower and connects the main station and the park.

Compacting crossroads 
Two more perimeter block developments are formed in the west of the main station, one on each side of the 'Heilbronner Straße'. They are conceived for commercial using and living. The kind of typological buildings that are planned next to the crossroads at 'Heilbronner Straße' and 'Konrad-Adenauer-Straße' / 'Willy-Brandt-Straße' shall compact, reduce and control its automobile traffic. Almost each planned building has an entrance for pedestrian on each facade. Moreover, two-storey high building openings afford a gateway to the backyard for vehicle drivers or a public connection to the city.

 

Rahmenplan i.M.: 1:500, 1:200

 

Vertiefung i.M.: 1:500

 

Morphologie i.M.: 1:2000 (Blick von Süden)

 

Modell i.M.: 1:1000 (Blick von Süden)

 

Modell i.M.: 1:500 (Blick von Süd-West)