Bachelorthesis - Hochschule Bremen
BA 2018, Umbau Kleingartensiedlung Bremen Walle
Evin Disli, August 2018
Diese Arbeit wurde 2018 mit dem Gerhard-Iversen-Studienpreis der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V. ausgezeichnet.
The project was honoured 2018 by the Bremer Aufbaugemeinschaft e.V. with the Gerhard-Iversen study award. (English translation see below)

Garten/ Wohnen/ Arbeiten
Quelle: b.zb Bremen
In Bremen gibt es viele Parzellengebiete mit darauf errichteten Wohnhäusern. Ursächlich ist die aus dem zweiten Weltkrieg folgende Wohnungsnot in Bremen gewesen. Diese Häuser in den Kleingärtengebieten wurden dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Kaisen entsprechend Kaisenhäuser genannt. Die Kaisenhäuser haben Großteile der damaligen Bürger nach ihrer Arbeit, an Wochenenden oder während ihrer Urlaubstage alleine, mit Freunden oder Familie errichtet. So haben die Bremer Bürger aus der Not eine Tugend gemacht. Einen Schlafplatz mit einem Dach über den Kopf zu haben, sollte zunächst die Grundbedürfnisse der Bremer Bürger stillen. Mit der Zeit und dem Geld haben sie diese Häuser weiter ausgebaut, um sich einen besseren Wohnraum zu schaffen. Insbesondere auch, weil die Stadt die zunächst erlaubten 20 m" Wohnfläche auf 50 - 60 m" erweitert hat. Das Wohnen in Kleingärtengebieten ist heute jedoch verboten. Lediglich die angestammten Bewohner haben ein nicht übertragbares Wohnrecht. Danach müssen die Wohnhäuser abgerissen werden. Aus gegebenem Anlass wird im Rahmen des Gerhard-Iversen-Studienpreis 2018 folgende städtebauliche Konzeption zur Erneuerung des Gebiets zwischen dem Waller Damm im Westen, dem Gewerbegebiet am Loosesweg im Süden, dem Hohweg im Osten und den Sportplätzen im Norden vorgelegt. In diesem Gebiet befinden sich viele teilweise ungenutzte Kleingärten. Unter Berücksichtigung des Arbeitstitels Garten/ Wohnen/ Arbeiten sollten neue besondere Wohnformen entwickelt werden. Die Konfrontation des grünen Gebietes mit der Stadt diene als Inspiration, um Wohnformen zu entwickeln, „die zwischen den hier aufeinandertreffenden Welten vermitteln“.


Vor dem historischen Hintergrund ist von Bedeutung, ein Mischgebiet zu schaffen, in dem die neuen Bewohner sowohl leben als auch arbeiten können. Dies entspricht nämlich den Umständen zu der Zeit der Kaisenhäuser. Denn zu dieser Zeit der Errichtung haben die Menschen dort gelebt, aber auch stets gearbeitet. Unter anderem auch in den Gärten. Die Geschichte des Gebietes sollte nicht durch die Erschaffung einer neuen dicht bebauten Wohnsiedlung unterwandert werden. Die Siedlung sollte vielmehr neues Leben mit der vorherigen Atmosphäre erhalten. Dies geschieht durch berufliche Aktivität, die wiederum zur sozialen Interaktion führt. Dadurch wird auch die Lebensqualität in diesem Gebiet steigen. Ursprünglich war der direkte Kontakt mit der Natur für das Bild der Kaisenhäuser prägend. Daher steht die Natur vorliegend weiterhin im Vordergrund. Die Wohngebäude werden um die Kleingärten herum errichtet, sodass diese neu genutzt werden können.

Einordnung der vorhandenen Parzellen und mögliches Teilungsmuster

Die Wege zwischen den Häusern und Kleingärten bleiben erhalten, da sie die Gegend auflockern, um starre Wohnzentren und Parzellengebiete zu vermeiden. Die Straßen mit ihren Namen bleiben ebenfalls aus dem historischen Kontext weiterhin erhalten. Die Siedlung ist also insgesamt halböffentlich. Damit die Gewerbeseite mit dem Mischgebiet harmoniert, soll das am Gewerbe grenzende Gebiet zukünftig mehr Gewerbe auf der Gewerbeseite erhalten, um dann einen sauberen Übergang mit immer weniger Gewerbe zum Mischgebiet zu schaffen. Statt einer Konfrontation der zwei Gebiete entsteht dadurch ein fließender Übergang ins andere Gebiet. Im Gebiet Osterfeuerberg liegt die Erwerbstätigkeit laut der Bremer Statistik von 2015 bei 52,8 %. Dies liegt unter dem Bremer Durchschnitt von 56,95 %. Dementsprechend weist Osterfeuerberg eine Arbeitslosenrate von 19,6 % auf, während der Bremer Durchschnitt zu 12,65 % arbeitslos ist. Das neue Mischgebiet soll mit seinem Gewerbeanteil dem entgegenwirken.
Im Mischgebiet entsteht zu dem Gewerbe auch ein neues Wohngebiet. Dort werden künftig Häuser stehen. Der Aufbau der Häuser unterteilt sich entsprechend eines Bremer Hauses in ein Souterrain, Hochparterre und Obergeschoss. Die Häuser fügen sich damit in das Stadtbild ein. Zudem bietet es sich vorliegend an, da die Straßen ohnehin aufgeschüttet werden müssen. Auf der Gartenseite hingegen wird die Fläche nicht aufgeschüttet. Die Bewohner können somit von ihrem Souterrain aus, den Garten betreten. Denn der Garten behält die Höhe der Kleingärten bei. Ein sauberer Übergang zu den Kleingärten entsteht und auch diese werden dadurch erhalten bleiben. Zusätzlich bleiben Kosten für das Aufschütten der Grünfläche erspart. Die angestammten Bewohner können weiterhin in ihrem Kaisenhaus wohnen. Die Häuser werden jedoch nur zur Hälfte fertig gebaut. Statt 8 m sind diese nur 4 m breit. Die restlichen 4 m bleiben unbebaut. Das ganze Haus wird aus einem „echten“ Mauerwerk bestehen. Alle Mauern werden solche aus Klinker sein, bis auf die Mauer zur unbebauten Seite. Diese Seite besteht aus einer Holzkonstruktion. Sind und Zweck ist, dass durch die Holzkonstruktion bzw. durch den flexiblen Einsatz von Holz es einfacher sein wird, diese Seite zu erweitern und das Haus umzugestalten. Dies schafft den Bewohnern die Möglichkeit, sich ihren Wünschen entsprechend ein zu Hause zu schaffen. Inspiriert durch die Geschichte sollen die Menschen hier wie bei den Kaisenhäusern erst ein Wohnraum erhalten, das den (heutigen) Grundbedürfnissen weitestgehend entspricht. Dann, ähnlich wie die Menschen damals, sollen sie am Haus arbeiten, tüfteln und werkeln, bis sie ihr Traumhaus fertig gestellt haben. Die flexible Seite steht damit sinnbildlich für die Menschen damals, die sich ihren Gegebenheiten anpassen mussten. Dies nimmt natürlich Zeit in Anspruch, da nicht jeder das nötige Kapital hat. Aber zu den Zeiten der Kaisenhäuser war dies nicht anders. Auch sie haben ihre Häuser mit der Zeit und dem nötigen Geld ausgebaut und vergrößert. Der Entwurf soll für Familien mit Kindern in Osterfeuerberg attraktiver werden. Denn in der Bremer Statistik von 2015 beträgt die durchschnittliche Haushaltsgröße in Osterfeuerberg 1,74 Personen je Haushalt. Im Bremer Vergleich sind dies weniger als der Durchschnitt von 1,81 Personen je Haushalt. In Mittelshuchting, Habenhausen liegt der Wert bei über 2,0 Personen je Haushalt.

Rahmenplan M.: 1:1.000


Insgesamt durch die Gewerbe- bzw. Arbeitsmöglichkeit und das Wohnen nach eigenen Bedürfnissen kann die Wohndauer in Osterfeuerberg durch die Attraktivität dieser neuen Gegend gesteigert werden. 2015 betrug diese 13,3 Jahre. Damit liegt die Wohndauer unter dem Bremer Durchschnitt von 13,7 Jahren. Nimmt man die Überseestadt aus dieser Rechnung wegen ihrer Neuerschließung raus, liegt der Bremer Durchschnitt bei 13,96 Jahre. Auch muss insgesamt mehr attraktiver Wohnraum geschaffen werden, da in Osterfeuerberg im Jahre 2015 73,2 Einwohner je ha leben. Der Vergleich zum Bremer Durchschnitt (40,6 Einwohner je ha) oder zum Nachbarn Walle (51,1 Einwohner je ha) zeigt, dass in Osterfeuerberg verhältnismäßig viele Menschen auf wenig Raum leben müssen. Zudem gab es keine Baufertigstellungen und nur eine Baugenehmigung für Wohngebäude. Dies ist jedoch auch der geringen Fläche geschuldet. Durch die Erschließung ungenutzter Flächen kann dem jedoch abgeholfen werden. Folglich entsteht im Parzellengebiet von Osterfeuerberg, dem Ort, an dem eine erhöhte Arbeitslosigkeit herrscht und in dem es nur wenig Wohnraum für größere Familien gibt, aus den Kleingärtengebiet ein Mischgebiet mit Einfamilienhäusern, indem die Menschen sinnbildlich für die Nachkriegszeit bzw. die Zeit der Entstehung der Kaisenhäuser arbeiten und sich nach Belieben ein Wohnraum schaffen können.

Ausschnitt M.: 1:500


Parcel areas with built on residential buildings commonly exist in the German state of Bremen. The reason behind it was the need of living space after world war 2 and the destruction it left behind. These buildings which were built on allotment areas were named after the, then ruling, Mayor Wilhelm Kaisen and carried since then his name: "Kaisenhäuser". These houses were built by the ordinary people of Bremen after the work, weekends or even in the holidays alone, with friends or family. So, the people created a virtue out of need in the time of distress. Having a roof over your head and a place of sleep should cover the basic needs of the people then. With time and money people started to develop their living space for better. Especially because the city increased the normal living space size from 20m² to 50/60m². But living nowadays on allotment areas is prohibited, only ancestral residents got the housing rights for it — which can't be transferred to another person. After them the residential houses get teared off.
In these circumstances as part of the Gerhard-Iversen-Studienpreis 2018 the following urban planning concept for the renewal of the area between the Waller dam in the west, the industrial area on Loosesweg in the south, the Hohweg in the east and the sports fields in the north were submitted. These areas got partially unused allotment areas. Considering the working title of garden/ living & working, new special forms of living should be developed. The confrontation of the green areas and the city should serve as an inspiration to create living forms who "mediate between the clashed worlds".
Prior to the historical background it is important to create a mixed area were the new residents can live and work all together.
This matches to the circumstances at the time of the Kaisenhäuser. Because at the time of the construction, the people lived and worked there, also in the gardens. The history of the area shouldn't vanish by building a new densely residential area, it should rather give a new life with the previous atmosphere. This happens with professional activity which leads to social interaction, through which also the life quality of the living people gets increased. Originally the contact with the nature shaped the picture of the Kaisinhäuser, that's why the nature is still present and remains in the foreground. The building complexes get erected around the allotment areas so these areas can be used again. But the paths between the houses and allotments are preserved, as they loosen up the area to avoid rigid residential centres and parcel areas. The streets with their names remain also preserved from the historical context. The housing scheme is therefore totally half public. In order for the business side to harmonize with the mixed area, the area bordering to the industry should receive more commercial activity in the future in order to create a clean transition with fewer and fewer trades to the mixed area. Instead of a confrontation between the two areas, this creates a smooth transition to the other area. In the area of the Osterfeuerberg the employment, according to a Bremen statistic from 2015 lays around 52.8%. This is below the Bremen average of 56.95%. Accordingly, Osterfeuerberg has an unemployment rate of 19.6%, while the average in Bremen is 12.65% unemployed. The new mixed area is intended to counteract this with its business share.
In the mixed area, a new residential area is being built along to the industry. There will be standing houses in the future. The structure of the houses is divided according to a Bremen house into a basement, a raised ground floor and a first floor. The houses fit into the cityscape. In addition, it makes sense in the present case, since the streets have to be heaped up anyway. On the garden side, however, the surface is not heaped up.
The inhabitants can therefore enter the garden from their basement because the garden keeps the height of the allotments. This result to a clean transition to the allotments which will now be preserved. Moreover, the costs for raising up the green space were spared. The ancestral inhabitants can continue to live in their Kaisenhaus. However, the houses will be only half finished. Instead of 8m, they will be only 4m wide. The remaining 4 m remain unbuilt. The whole house will consist of a "real" brickwork. All walls will be made of clinker, except for the wall to the unbuilt side. This site will consist of a wooden construction.

The purpose is that the wood construction or the flexible use of wood will make it easier to extend this site and transform the house. This gives the residents the opportunity to create their own home in accordance with their wishes. Inspired by the history, the people here should first receive a living space like once with the Kaisenhäuser, which corresponds to the present basic needs as much as possible. Then, similar to the people then, they should work on the house, tinker and work until they have completed their dream home. The flexible side is symbolic of the people back then, who had to adapt to their circumstances. Of course, this takes time because not everyone has the necessary capital. But at the time of the Kaisenhäuser this was no different. They too, have expanded and enlarged their homes with time and money. The draft should be attractive for families with children in Osterfeuerberg. Because in the Bremen statistics of 2015, the average household size in Osterfeuerberg is 1.74 persons per household. Compared to the average of Bremen this is less than the average of 1.81 people per household. In Mittelhuchting, the province of Habenhausen the value is over 2.0 persons per household.
Overall, by the business or work opportunity and the living according to their own needs, the living in Osterfeuerberg can be increased by the attractiveness of this new area. In 2015, this was 13.3 years. Therefore, the residence time is below the Bremen average of 13.7 years. If we remove the Überseestadt from this calculation because of its new development, the Bremen average is at 13.96 years. Overall, more attractive living space must be created, since in Osterfeuerberg in 2015, 73.2 inhabitants are living per ha. The comparison to the Bremen average (40.6 inhabitants per hectare) or to the neighbour Walle (51.1 inhabitants per hectare) shows that in Osterfeuerberg relatively many people have to live in a small space. Furthermore, there were no building completions and only one building permit for residential buildings. This is due to the small area.  
The development of unused areas, however, can be remedied. Consequently, in the parcels of Osterfeuerberg, the place where there is an increased unemployment and where there is little housing for larger families, the allotment area becomes a mixed living space that symbolizes the post-war period and the period of the Kaisenhäuser work where they could work and create their living space.

Entwurf der Typologien EG M.: 1:200


Grundrisse M.: 1:200


Ansichten und Schnitte M.: 1:200


Vertiefung Reihenhaus M.: 1:50



Schnitt und Ansich M.: 1:50


Konstruktion M.: 1:20


Konstruktion M.: 1:5


Modell M.: 1:1.000


Modell M.: 1:500 (Norden links)


Modell M.: 1:200