Hochschulseminar - Zu Fuß
EXPERIMENT - Roter Teppich dem Fußgänger
Gruppenarbeit, 11.2.2008

"zu fuss: hierachie im stadtraum"

Es gibt im Straßenverkehr immer wieder Situationen, an denen der Fußgänger auf Barrieren trifft, in Form von stark befahrenen Verkehrsachsen, die sie nicht gefahrlos überwinden können. Unser Ziel ist es dieses Verhältnis umzukehren. Dabei soll sich der Schwächere das Recht nehmen können, an jeder beliebigen Stelle Vorrang zu haben. Der vermeintlich stärkere und rücksichtslose Autofahrer soll hierdurch für den Fußgänger sensibilisiert werden. Dadurch muss er auf das Recht der Vorfahrt verzichten.

 

 

Wir haben für diesen Zweck eine prägnante Strecke durch Bremen gewählt. Start ist der Osterdeich, Ecke Lübeckerstraße. Um den Fußgänger die Überquerung der Straße möglich zu machen, werden wir "den roten Teppich" ausrollen. Es wird sich zeigen, wie das Verhalten der Autofahrer ausfallen wird und ob sie bereit sind auf ihr Recht des Stärkeren zu verzichten.
Der Verlauf führt uns weiter durch das Steintorviertel, über Humboldstraße und Bismarckstraße bis zum Höhepunkt der Kurführstenallee. Hier soll laut Ortsamt Schwachhausen ein barrierefreier Übergang geschaffen werden (Der Weser-Kurier berichtete bereits). An dieser Stelle ist eine Ampelanlage geplant. Wir überspitzen dieses Vorhaben mit unserem Projekt "zu fuss: hierachie im stadtraum".

 

Der Flyer des Projekts (Ankündigung)


Verlauf:

_Step 1
Das Experiment startet wie erwähnt am Osterdeich Ecke Lübecker Straße. Der Verkehr fließt ohne Rücksicht auf die wartende Gruppe am Straßenrand, welche die Straße überqueren will. Die Projektleiter rollen den „roten Teppich“ ohne Probleme über den Straßenraum aus. Die Autofahrer reagieren, halten an und akzeptieren den Übergang. Eine Sicherheitsperson der Gruppe beobachtet den Verkehr und positioniert Warnschilder, auf denen ein Fußgänger als „König“ abgebildet ist. Die Gruppe überquert ohne Probleme die Straße und die Autofahrer warten bis der „rote Teppich“ eingerollt ist. Der Verkehr fließt wieder.

_Step 2
Die Gruppe erreicht die Brunnenstraße, eine weitere Achse in Bremen. Hier wiederholt sich das Prozedere der Überquerung. Allerdings müssen hier auch neben den Autos die öffentlichen Verkehrsmittel, wie die Straßenbahn halten. Selbst ein Polizeiwagen reiht sich ein. Passanten reagieren und Nutzen den neu geschaffenen Übergang. Ein Fahrradfahrer hinterfragt interessiert das Experiment und kommt zu dem Schluss, dass es richtig ist eine andere Sichtweise zu testen.

_Step 3
Die nächste Station ist die Humboltstrasse. Hier erwarten wir aufgrund des geringen Verkehraufkommens einen leichten Übergang. Der „rote Teppich“ wird wie zuvor ausgerollt.
Die Gruppe setzt sich in Bewegung, jedoch muss sie abrupt stoppen. Die Autofahrer kommen bis auf Tuchfühlung an die Personen heran und drängeln. Die Gruppe lässt sich hierdurch nicht irritieren. Auf der anderen Straßenseite angekommen, setzen sich die Autofahrer sofort in Bewegung und der Teppich wird zum ersten Mal überrollt.

_Step 4
An der Bismarktstraße kommen wir zum bisher breitesten Hindernis. Der Teppich wird wiederum ausgerollt. Die Gruppe teilt sich. Die Ersten überqueren die Straße. Als diese die andere Straßenseite erreichen, setzt sich der zweite Teil in Bewegung und genauso danach wieder der Erste. Ein ständiger Wechsel zwischen den Straßenseiten entsteht, ohne dass sich ein Auto in Bewegung setzt. Es wird geduldig gewartet, nicht gehupt oder gemeckert.
Eine Autofahrerin unterstützt das Experiment mit ihrer Meinung.

_Step 5
Die letzte Hürde wird erreicht. Vor der Gruppe liegt der vierspurige Autobahnzubringer. Unsere Erwartungen waren nicht gerade von Optimismus gestärkt. Doch selbstbewusst, nach den positiven Erfahrungen, rollen wir den „roten Teppich“ aus. Wieder halten die Autofahrer. Dieses Mal erproben wir einen anderen Ablauf. Die Gruppe splittet sich und läuft beliebig über die Straße. Es entsteht ein Wechsel zwischen den Verkehrsteilnehmern. Die Autos überqueren den Teppich wenn kein Fußgänger in der Nähe ist. Doch sobald einer am Straßenrand erscheint verzichten die Autofahrer auf die Vorfahrt. Sie lassen den Schwächeren passieren. An dieser Stelle kommt es jedoch zum ersten Mal zu Konflikten. Einige Autofahrer akzeptieren das Warten nicht. Ein Bus fährt einfach durch, einige Autofahrer hupen und ein Mercedes hält auf dem Teppich und lässt seine Reifen darauf durchdrehen. Doch alles in Allem funktioniert das Prinzip.

 

 

Artikel im Weserkurier

 

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