Hochschulseminar - Mythos grüne Stadt
EXPERIMENT - Ein Stadtspaziergang nach L. Burckhardt
Steffen Krecklow, Benjamin Hesseler, Lena Müller, Anna Dubis, Verena Wagner, Magdalena Keczmer, Bianka Eilers, Jessica Dieneck, 03.02.2015

Definition „Grün in der Stadt“ // Thesen

Grün und Stadt - Nur die Ordnung lässt dieses Oxymoron funktionieren. In der Stadt gibt es kein wildes Grün, nur gebändigt existiert es. Der Städter akzeptiert nur eine vorgegaukelte Natur, wie man sie in Stadtparks usw. findet. Taucht doch mal das natürliche Grün auf, bringt es die Ordnung der Stadt durcheinander und wird sofort unterdrückt. Ist das Grün in der Stadt ausschließlich Komposition und keine Wildnis - Ist die grüne Stadt also menschgemacht?

 

 

Experiment

Dies wollten wir in unserem Experiment überprüfen. Anhand von drei Thesen Lucius Burckhardts aus dem Buch „Warum ist Landschaft schön?“ wurde bei einem Stadtspaziergang an verschiedenen Haltepunkten untersucht, welche Kategorie sich dort befindet.

 

 

Kategorien des Grüns in der Stadt

"Spontan Vegetation"

 „(…) wie die spontane und adventive Vegetation, wie sie aus den Ritzen des Pflasters und der Betonumrandungen (…) sprießt, und beweist, dass auch unter der Stadt, in der Stadt, eine ewige Natur lauert, die alles überziehen wird, wenn die Menschheit einst sich selbst zerstört haben wird.“


 

„Wildnis“

 „Nur auf der Landkarte können wir erfahren, ob wir am Beginn eines Waldes stehen, oder nur vor einem Gehölzstreifen von wenigen Metern Tiefe…Zwischen den Straßen und Häusern und Gärten ist ja ein Wald ganz undenkbar.“


 

"Komposition" 

„(…) Gärtnern ist auch dann eine Kunst, wenn der Künstler sich gar nicht bewusst ist, dass er Kunst erzeugt: indem er hier eine Pflanze wachsen lässt, da eine zurückschneidet, jene sogar ausreißt, um sie anderorts zu pflanzen oder wegzuwerfen, kompostiert er nicht nur, sondern komponiert er auch ein dreidimensionales Bild, eben seinen Garten.“


 

 

Ablauf

Jeder Teilnehmer erhielt einen Plan mit unserer Route, die wir gemeinsam abgelaufen sind. Es gab insgesamt 8 Haltepunkte, zu der jeweils eine kurze Geschichte geschrieben wurde. Vor Ort sollten dann sowohl die Geschichten als auch die entsprechenden Kategorien des Grüns den Haltepunkten zugeordnet werden. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich.

 















Fazit

Während des Spazierganges wurde deutlich, dass eine eindeutige Zuordnung sowohl der Geschichten als auch der entsprechenden Kategorie des Grüns schwer fiel. Dies ist darauf zurück zu führen, dass wir eine subjektive Wahrnehmung von Landschaft und Natur haben, weil diese von unseren Erinnerungen geprägt ist und wir die „vorgefertigte Natur“ tagtäglich vor Augen gesetzt bekommen. Selbst, wenn einem Ort intuitiv die „Wildnis“ zugeordnet wurde, wusste man, dass es eigentlich eine vom Menschen komponierte Wildnis ist. Deshalb findet man die „echte“, nicht gern gesehene Wildnis innerhalb der Stadt nur dann, wenn die menschliche Pflege fehlt. Die Wildnis als echte Natur kann sich erst durchsetzten, wenn der Mensch nicht mehr existiert und sie daher nicht mehr seiner Kontrolle unterliegt. Folglich kann man sagen, dass das Grün in der Stadt vom „Komponisten Mensch“ gebändigt, geordnet und geformt wird.