Stadtspaziergang zum Kirchentag
Dokumentation - Arbeitspapier zum Kirchentag 2009 in Bremen
Prof. Klaus Schäfer, Lehrstuhl Städtebau, Hochschule Bremen, 2.6.2009

Zum Kirchentag in Bremen hat eine Gruppe von Studenten (School of Architecture, Kulturwissenschaften der Universität Bremen) auf dem Gebiet der ‚Streetart’ eine Interpretation des Themas des diesjährigen Kirchentags: „Mensch, wo bist Du?!“ erarbeitet hinsichtlich einer Wahrnehmungsform des öffentlichen Raumes.
Die ‚appellative’ Benennung als Losung: „Mensch, wo bist Du?!“, im Auftakt des alten Testaments, markiert symbolisch den Anbeginn einer kulturellen Eigenständigkeit, gräbt folglich sehr tief, geht an die Wurzeln der menschlichen Existenz und wirft somit für uns überaus fundamentale Fragen im Umgang mit diesem Motto auf.
Viele Möglichkeiten böten sich den Wahlspruch - Mensch, wo bist Du - auf unseren Alltag zu beziehen, genügendes von ungenügendem zu Unterscheiden, sich z.B. mit den ‚harten’ Außenwänden der Stadt auseinander zusetzen.

Eine Wahrnehmung des öffentlichen Raumes, ist die Betrachtung seiner Oberflächen, die Anschauung einer Gestalt und das Lesen von Einzelheiten. So wird das Tasten an den Hüllen zum Eindringen in eine Tiefe, einzelner Ebenen und deren Spuren. - Nur bis zu welchem Punkt? An welcher Schicht werden wir zurückgeworfen auf dieses Motto: „Mensch, wo bist Du?“ Die Oberflächen, gezeichnet von Abnutzung, Zerstörung und Säuberung, sie sind immer auch Grenzort zwischen öffentlich und dem Privaten und sie sind die ‚stummen Zeugen’, der Bestand, unvergänglich (?). - Selbst für die Leerstellen einer Stadt finden wir Zeugnisse und Archivmaterial benennt und bezeichnet Adressen der Stadt, die wir wiederum von öffentlich und privat sprechen lassen können, um Geschichte abzubilden.

Die Streetart bedient sich in ihren Ausdrucksformen des öffentlichen Raumes. Unter den vielfältigen Zielen dieser zumeist subversiven Form einer Inanspruchnahme („Reclaime the Streets“) des Sichtbaren und damit Gemeinschaftlichen in der Stadt, steht Gewohntes umzudeuten, ungefragt den Wechsel von Paradigmen zu erzeugen, was vorher kolossal und unübersichtlich war, wird fragmentiert, in einen anderen Kontext überführt und Maßstäbe verschieben sich. Es geht immer um die Verbindung aus Perspektive und Erfahrung über ein: „Hier bin ich!“ im anonymen ‚kalten’ Raum einer Öffentlichkeit und der Verbindung zu seinen ‚einzelnen Bestandteilen’, dem ebenso anonymen Subjekt und seiner ephemeren Gültigkeit. – So ist die Zeitlichkeit auf mehrfache Weise in die Bedeutung der Streetart eingewoben. Sie bewirkt einen Prozess in dem sie ein Ausrufungszeichnen als Punkt markiert von dem etwas ausgehen soll…

Das Motto des Kirchentags haben wir mit den Mittel der Streetart auf die Wände und Straßen der Stadt Bremen geschrieben. Das Thema war die vergangenen Spuren des jüdischen Lebens in Bremen zu vergegenwärtigen. Mit den Mitteln einer vergänglichen Kunstform sollte verschwundenes aufgedeckt werden, das Aufbringen von Schichten wurde benutzt zur Freilegung von Spuren. In Arbeitsgruppen wurden hierfür Orte im Stadtgebiet gesucht und ihre Geschichte betrachtet. Die künstlerischen Arbeiten wenden sich den Orten zu. Der Umgang und der Fortbestand der Kunstwerke im Sinne von ‚Denkmalen’ wird noch untersucht und aufgezeichnet. Nach Möglichkeiten diese Ergebnisse in einer Ausstellung zu präsentieren suchen wir noch. KS

Die Referenzen zum Projekt waren: Stolpersteine (Gunter Demnig, seit 1995 in Deutschland, Österreich und weiteren Europäischen Ländern), Überblendung im Scheunenviertel Berlin (Shimon Attie, 1991, mittels Diaprojektionen)

DAS PROJEKT STOLPERSTEINE IN BREMEN

 

Flyer zum Kirchentag