Hochschulseminar – Wer hat Angst vor dem Zufall?
Slow Urbanism - Eine neue Perspektive
Johannes Ostheider, 18.01.2018
Flandern | Antwerpen  The idea „Slow Urbanism“ at the administerative region of Flandern, especially for the city of Antwerpen was developed in recent decades paraphrases urban development in context to redesign and revitalize unused old areas.

But what makes this idea so unique and specific in whole europe? Following looking at Antwerp by trying to explain the main reasons of the idea and define the terms and make it comprehensible.

Antwerp is shaped by shipping and ports since mediaeval times and advanced it still to our times. Based on industrialisation and growing demands of shipping potentialities displaced and although claimed new yardsticks. Old and classical inner-city ports were undersized going inch by inch to be unused. As part of revitalization measures by urban development this areas are rediscovered to create gradually new inner city living spaces.



Antwerpen ist eine Hafenstadt in der Region Flandern in Belgien und die Hauptstadt der Provinz Antwerpen und zählt ungefähr 520.000 Einwohner.

Flandern hat eine Fläche von etwa 13.522 Quadratkilometern und zählt 6.516.011 Einwohner (Stand 1. Januar 2017).

Von großer internationaler Bedeutung ist Antwerpen durch seinen Seehafen, den zweitgrößten Europas, sowie als weltweit wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten. 

Bedeutend ist der hohe erhaltungsgrad der Altstadt und der Hafenanlagen, welche während des 2. Weltkrieges fast vollkommen erhalten blieb.

Antwerpen liegt an der Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee. Der Fluss weitet sich im Stadtgebiet zu einer breiten, von Seeschiffen befahrbaren Trichtermündung auf, die über den Meeresarm Westerschelde zur Nordsee führt.

Das Stadtgebiet reicht im Norden bis an die Grenze zu den Niederlanden.



Der Hafen der Stadt ist einer der größten der Welt und nach Rotterdam der zweitgrößte Europas. Wie viele große Seehäfen in Europa (z. B. London, Rotterdam, Bremen, Hamburg, Stettin) liegt er nicht am offenen Meer, sondern an einer dorthin führenden Flussmündung. Über die durch niederländisches Gebiet führende Westerschelde erreichen die Schiffe die offene Nordsee.

Das Flächenwachstum des Hafengebiets wird durch die Grenzlage behindert, da es im Norden bereits bis unmittelbar an die niederländische Grenze reicht.

Seine Größe verdankt der Hafen seiner Lage in Europa. In einem Radius von 500km liegen etwa 60 Prozent der Kaufkraft der Europäischen Union.

Der Hafen expandiert zur Zeit vor allem auf der linken Uferseite, bedingt durch die Tatsache der beinah ausgenutzten Flächen auf der rechten Seite an der Grenze zu den Niederlanden.



Vorwort:

Das System wie in Antwerpen die Stadtentwicklung angegangen wird hat sich im Vergleich zu anderen Systemen in Europa als sehr stabil herausgestellt. Jedoch wird sich Zeit gelassen. Große Eingriffe kommen kaum vor, viel mehr wird Stück für Stück in einem kleinen Maßstab gearbeitet. Hieraus hat sich der Begriff „Slow Urbanism“ entwickelt.

Im Mittelpunkt der Stadtentwicklung steht meist ein strategisches Projekt, welches seine positiven Effekte auf kommende Projekte anwenden soll. Dazu kommen spezielle räumliche Rahmenbedingungen, welche einen Unterschied zu anderen Städten darstellen. 

Der größtmögliche Unterschied zu anderen Städten und deren Projekten ist neben der Kleinteiligkeit aber das Tempo der Entwicklung, welches in Antwerpen herrscht.

Dazu folgendes Zitat:

„Wann immer ich früher zu den einstigen Vorzeigeprojekten pilgerte, zu den Docklands in London, dem Kop van Zuid in Rotterdam oder der Hamburger Hafencity, immer kehrte ich, genau wie andere flämische Planerkollegen, frustriert zurück. Wir schwankten zwischen Bewunderung und Neid angesichts der Tatkraft, mit der man alten Hafengebieten andernorts neues Leben gab. In Antwerpen ging es nicht voran.“



In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Planungsmethodik in der Region grundlegend verändert. Von einer Vielzahl an Entwurfsmechaniken haben sch zwei besonders weiterentwickelt und in den Vordergrund bewegt: die Strukturplanung und der Stadtentwurf.

Der Strukturplan bezieht sich auf des eher traditionelle Verfahren des gesetzlich bestimmten Bebauungsplanes, ist jedoch dynamischer und so eher im Bereich eines Flächennutzungsplanes anzusiedeln. Ziel ist die langfristige Entwicklung eines räumlichen Gefüges. Um eine allumfassende Sichtweise zu erreichen, werden alle Akteure, welche im Verlaufen des Prozesses zur Beteiligung kommen mit eingebunden.

Im Jahre 1999 wurde die Strukturplanung in Flandern zur offiziellen Planungsmethode.



Gegensätzlich ist hier der Stadtentwurf, er ist nicht gesetzlich verpflichtet und hat demnach einen geringeren Verbreitungsgrad. Weiterhin verlangt diese Methode nach einem Zwischenmaßstab. Es soll ein Entwerfen realisiert werden, welches zwischen dem abstrakten Level der Raumplanung und der finalen Form der Architektur vermittelt.

Aus einem Wettbewerb hervorgehend leiteten die Mailänder Stadtplaner Bernardo Secchi und Paolo Vigano von 2002 bis 2006 die Strukturplanung. 

Beide verfolgten das Ziel Antwerpen als eine Stadt zu betrachten, welche sich offen und linear entlang der Schelde in Nord-Süd Richtung erstreckt und entwickelt, immer von einer Verbindung von Wasser und Stadt ausgehend.

Es soll eine Wechselwirkung zwischen Strukturplanung und Stadtentwurf entstehen, ganz nach dem Motto das eine funktioniert mit dem anderen besser. Hierdurch ergibt sich eine gewisse Flexibilität, auch bei einer großen Anzahl von Projekten.



Besonders und demnach anders als in anderen Städten ist in Antwerpen das Grundeigentum, über welches die Stadt verfügt und so auch die Möglichkeit anhand von Strukturplanung und Stadtentwurf neue Ziele umzusetzen.

Über siebzig Prozent der Flamen sind Eigentümer der Wohnung, in der sie wohnen. Der Wohnungsbestand der öffentlichen Hand richtet sich an den Antwerpener im untersten Einkommensbereich und macht maximal zehn Prozent des Wohnungsmarktes aus.

Die kleinteiligen Eigentumsverhältnisse erschweren großmaßstäbliche Eingriffe. Die verfügbaren großflächigen Areale nehmen zudem kontinuierlich ab.

Im Gegensatz zur durchaus gängigen Praxis der Stadterneuerung in den Niederlanden, ist der Abriss eines kompletten Häuserblocks in Flandern ausgeschlossen. Die flämische Stadterneuerung arbeitet sich, den Gegebenheiten entsprechend, Grundstück für Grundstück, Gebäude für Gebäude, Stück für Stück voran.

In Flandern und Antwerpen sind verhältnismäßig wenig große Akteure und Investoren tätig. Vielmehr bilden sich kleine Gruppen von Geldgebern und Projektentwicklern, welche so in kleinem Maße in das Bild der Stadt eingreifen und es verändern.

Dieser Maßstab der Eingriffe hat sich als sehr stabil und nicht anfällig für etwaige Krisen erwiesen, als so manchen großes Projekt in Europa, welches zum erliegen kam.

Zudem beschert der Maßstab der Antwerpener Stadtentwicklung der Region eine Vielzahl an Variationen und läuft nicht in die Gefahr des repetierend vorkommenden Erfolgsmodel von großen Projekten.




Eine konkrete Anwendung des Slow Urbanism stellt die Entwicklung des Eilandje dar. Wie in anderen bedeutenden Hafenstädten Europas auch, verlagerte sich mit immer größer werdenden Schiffen der Hafen in Antwerpen stromabwärts, in entlegene, monofunktionelle Gebiete. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts drohte der Norden Antwerpens zu verfallen.

Diese wurde zu Beginn der neunziger Jahre, während der Arbeiten am städtebaulichen Wettbewerb „Stad aan de Stroom“ erstmals deutlich. Das preisgekrönte Projekt von Manuel de Solà-Morales erweckte eine fast vergessene Nord-Süd-Achse im Stadtgrundriss zum Leben. Nach Ansicht von De Solà-Morales verdient die Route entlang der Schelde eine Hauptrolle in der Stadtstruktur, indem sie als öffentlicher Raum gestaltet und von entsprechenden Funktionen und Wohntürmen flankiert wird.

Heutzutage wird Slow Urbanism für die weitere Entwicklung des Eilandje eingesetzt. Es wird mit einer gewissen Gelassenheit gearbeitet, aber zielgerichtet. Kultivierung von Komplexität ist das zentrale Instrument für eine vielschichtige Qualität in der Stadterneuerung. Auf dem Eilandje mischen sich die Neubauten mit der charakteristischen Architektur ehemaliger Lagerhäuser; die große Zahl von Projektentwicklern und Initiatoren, die innerhalb der kleinteiligen Eigentumsverhältnisse aktiv sind, sorgt für architektonische und soziale Diversität.








Gebäude der Hafenverwaltung - erweiternder Anbau an Bestandsgebäude
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Red Star Museum - Umnutzung eines alten Lagerschuppens
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Museum aan de Stroom - Neubau im Kontext
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Fünf Wohntürme - Auflage jeder muss Bezug zum davorigen haben
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Restaurierte/Umgebaute Speicherhäuser - Tradition erhalten & neu erfinden
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