Hochschulseminar – Wer hat Angst vor dem Zufall?
Gordon Matta-Clark
Stina Strangmann, Vivien Teske, 08.03.2018


Gordon Matta-Clark, born 22nd June 1943 in New York, was an American architect and artist.
His mother, Anne Clark, used to be an American artist and his father Roberto Matta was a surrealist painter. At the age of 5, he lived in France with his mother and twin brother John Sebastian for one year. From 1962 to 1968 Gordon studied architecture at Cornell University in Ithaca, New York. In this time he also studied French literature in Paris for one year. 1968 he got his bachelor degree in architecture. After that, Matta-Clark didn´t practice as a conventional architect. He met a lot of different people, who had an influence on himself and his work as an artist. For example Robert Smithson, who met Matta-Clark in 1969 at Cornell University, during the exhibition Earth Art. From this time is his turning to multimedia arts and after that Matta-Clark used a lot of different media to show his kind of art, including film, video, and photography, performances, space and texture work and his most popular building cuts.





Bei einem Workshop in New York assistierte Matta-Clark dem Land Art-Künstler Robert Smithson bei seiner Arbeit.
Es handelt sich um das Projekt Beebe Lake Ice Cut aus dem Winter 1969, bei dem die beiden Künstler mithilfe von
Motorsägen Risse in eine teilweise zugefrorene Seeoberfläche schneiden.





Im Jahr 1969 zog Matta-Clark zurück nach New York. In den folgenden zwei Jahren erforschte er die verwschiedenen Möglichkeiten des Kochens. Dafür machte er Polaroid-Fotos von Weohnachtsbäumen und fing an, diese in Pflanzenöl zu braten. Sobald die Polaroids anfingen zu kochen, bestreute er alles mit Blattgold. Dadurch entstand eine rissige Oberfläche, die an verkohlte Haut erinnerte. Schließlich verschickte Matta-Clark die gekochten Polaroids dann in einer kleinen beigefarbenen Box, nicht größer als eine Zigarettenkiste, als Weihnachtskarten an seine Freunde und an weltweite Künstler.  




1971 eröffnete Matta-Clark zusammen mit Caroline Goodden,Tina Girouard, Suzanne Harris und Rachel Lew in SoHo Manhattan das Restaurant Food. Food war nicht nur als Restaurant gedacht, sondern sollte viel mehr  als ein Zentrum für Kommunikation und als ein eigenständiges Kunstwerk angesehen werden. Sie boten vollkommen "neue" Gerichte, wie Sushi und Sashimi, sowie eine avantgardistischere Küche an, darunter zum Beispiel ein Abendessen mit einer Auswahl an Knochen. Außerdem fanden dort unzählige Aufführungen statt. Der studierte Architekt Matta-Clark erhielt viel Inspiration aus diesen Kombinationen, u.a. auch für seine ersten Cuttings.




Inspiriert von der Fruchtbarkeit des Frühlings, entwickelte Matta-Clark 1971 eine Performanc e für die Ausstellung "Twenty-Six". Diese Performance erhielt den Namen "Tree Dance". Sie wurde auf dem Campus der Vassar Kunsthochschule in Poughkeepsie, New York im Garten vor der Kirche präsentiert. In der Spitze eines riesigen Baumes wurden dafür eine Struktur aus Seilen, Leitern, Laken und anderen Materialien erbaut. Die Laken wurden als Kokons in den Ästen angebracht, in denen dann während der Performance einige der Tänzer schliefen. Andere Tänzer hingegen kletterten die Konstruktion auf und ab und spielten dabei mit gefährlichen Balanceakten. Die Aufführung fand im Winter statt, sodass der Baum keine Blätter hatte. Dies erleichterte den Tänzern das Herunterklettern und Tanzen auf der Konstruktion. Der Baum wurde so zum Lebensraum. Die Frage nach Lebenräumen (der Gemeinschaft) wird in mehreren Arbeiten von Matta-Clark behandelt.  





Bei seiner Performence "Clockshower" kletterte Matta-Clark auf einen Uhrturm in New York. Dort vollzog er eine morgenliche Waschprozedur mitten im öffentlichen Raum. Aus dem Zeiger der Uhr floss Wasser, welches er sowohl zum Duschen, als auch zum Zähneputzen nutze. Das Ganze wurde gefilmt und somit als Perfomence-Kunstwerk festgehalten.


Am bekanntesten Gordon Matta-Clark durch seine Projekte, die "Cuttings" genannt werden. Bei den "Cuttings" handelt es sich um Schnitte, die Gordon Matta-Clark mithilfe von Motorsägen bzw. kleinen elektrischen Handsägen durch Fassaden, Decken und Böden von Gebäuden durchführte. Ganze Gebäudeteile entfernte er, um den Blick in das Innere einer unbewohnten und ungenutzen, sowie die innerere Struktur des Wandaufbaus freizuzlegen. So entstanden völlig neue Perspektiven und die verborgende Konstruktion kam zum Vorschein. Dieses Vorgehen dokumentierte er meist fotografisch und filmisch, da es eine temporäre Arbeit war.


Sein erstes groß angelegtes Projekt wurde 1974 als "Splitting" bekannt. In der Humphrey Street in Englewood, New Jersey, wo aus Gründen der Stadterneuerung einige Häuser abgerissen werden sollten, kam Gordon Matta-Clark an sein erstes Gebäude: ein leerstehendes, zum Abbruch vorgesehenes Einfamilienhaus aus Holz. Er arbeitete von März bis Juni 1974 daran. Der Künstler teilte das Gebäude zunächst durch einen mittigen Schnitt praktisch in zwei Hälften, in dem er in der vertikalen Achse eine dünne "Scheibe" herausschnitt und das Material entfernte. Zunächst reduzierte er einseitig das Steinfundament, sodass der Spalt eine Neigung von 5 Grad erhielt.


Anschließend entfernte Matta-Clark noch die vier Ecken am Dach des Hauses.


Tageslicht drang durch die Einschnitte ins Innere des Hauses und transformierte die Bausubstanz in eine Skulptur.


Der Künstler fotografierte sein Arbeit und entwickelte mit den Drucken eine Collage. In dem Film "Splitting" dokumentierte er sein Werk, welches drei Monate nach seiner Arbeit abgerissen wurde.








Bei diesem Projekt handelt es sich mit zwei Jahren um die längste Intervention des Dekonstruktivismus, welche Gordon Matta-Clark zu Lebzeiten schuf. Er bearbeitete eine leerstehende Hafenhalle am Hudsonriver in New York. Sein Ziel war eine physische und soziale Transformation des stillgelegten Industriegebietes. Durch Öffnungen an Wänden und Dach in Form von Viertelkreisen schuf er verschiedene Lichtwechsel in der Halle und Spiegelungen auf dem Wasser. Er erzeugte neue Blickwinkel, sowohl von innen als auch von außen. Den Prozess hielt er mit Bildern und Videos fest, um somit der Öffentlickeit zu zeigen, welches Potential das Gebiet hat.




Im selben Jahr (1975) entwickelte Matta-Clark eine Arbeit mit dem Namen "Conical Intersect" in Paris. Dafür schnitt er ein großes, kegelförmiges Loch durch zwei Stadthäuser aus dem 17. Jahrhundert, die abgerissen werden sollten. Der Grund für den Abriss war ein damals umstrittenes Projekt. Seine Arbeit war ein kritischer Komentar zur Transformation eines Pariser Viertels zum neuen Kulturzentrum - das Centre Georges Pompedou. Seine mühsamen Durchbrüche der alten Häuser hatten so eine skulpturale und räumliche Aussage und zeigten eine andere Sichtweise auf die Stadt. Heute betrachtet zeigt die Arbeit "Concial Intersect" die Vielseitigkeit des Künstlers und seine kreative Wiederverwendung von gebauter Umgebung.



Nach sieben Jahren aktiver Arbeit an seinen Werken, bekam Gordon Matta-Clark die Diagnose
Bauchspeicheldrüsenkrebs. Daraufhin vermachte er all seine Werke seiner Frau Jane Crawford, ebenfalls Künstlerin.
Nach seinem Tod trat sie sein alleiniges Erbe an. Durch Schenkungen und verschiedene Ausstellungen wurde
erst der große Schatz an Werken bekannt. Den großen Ruhm um ihn und seine Werke erlebte er leider nicht mehr.

Gordon Matta-Clark wurde mit seinen "Cuttings" bekannt, bei denen er die Gebäude als Material der Skulptur und die Sägen und Werkzeuge als künstlerisches Ausdrucksmittel wahrnahm. Seine Interventionen und Dekonstruktionen produzierten völlig neue Sichtweisen. Da die Gebäude allerdings bereits für den Abriss freigegeben waren, sind die "Cuttings"als temporäre Kunstwerke heute lediglich durch Film und Fotografie erhalten. Es ist durch seine Arbeitsweise eine Arbeitsgruppe entstanden, die die Bezeichnung Anarchitecture trägt. Die Wortschöpfung dokumentiert den permanenten Wiederstand des Künstlers gegen eine konservative Architektur, die den Experimenten vorher kaum Raum gegeben hatte. Seine radikalen Einschnitte in den Raum, seine Verbindung von Kunst und Architektur hat nachfolgende Generationen bis heute beeinflusst.