STADTPLANUNG B.A.
Entwurf 4. Semester: Rembertiviertel, Bremen
Aufgabenstellung – Topic – Définition des tâches
Prof. Klaus Schäfer, Dipl.-Ing. Linda Velte, Hochschule Bremen, Sommersemester 2024
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Linda Velte, Stadtplanerin Bauamt Bremen-Nord
und B.A. Jessica Schnieders, Lehrbeauftragte

Schwarzplan Bremen mit Projektgebiet (rote Markierung)

Bereits der Titel unsere Aufgabenstellung kann als Programm verstanden werden. Denn, wo oder was ist das Rembertiviertel heute eigentlich, wiewohl doch der Ort an dem wir entwerfen mit Titeln wie Rembertikreisel oder Rembertiring lokalisiert wird. Was ist ein Viertel und was erwarten wir von einem so bezeichneten Stadtquartier? An welchen Orten um den Kreisel stellt sich etwas Ortsspezifisches ein, das wir zugleich auch als eine urbane Qualität charakterisieren würden?

Dieses Stadtgebiet wurde einst ‚übergeordneten Belangen‘ einer Verkehrspolitik geopfert, die sich aus den Notwendigkeiten einer nach Funktionen getrennten Stadtentwicklung ergab. Ein Ideal, das wirtschaftliche und technische Aspekte der städtischen Gesellschaft in eine Art ‚gebautes Flussdiagramm‘ transformieren sollte: Was hält die City und die Neue Vahr zusammen, was verbindet das GFZ (Güterverkehrszentrum) mit dem Hauptbahnhof, was haben Airportstadt und Norwestknoten gemeinsam? Dem Ideal zu eigen war das Versprechen der individuellen Teilhabe am motorisierten Verkehr, jeder kann jede Stelle zu jeder Zeit in dieser Stadt mit seinem Auto erreichen. Nicht nur in Bremen liegt in der Gegenwart hier die Konfliktlinie zwischen ‚modernen‘ Vorstadtbewohnern und – verbliebener – Innenstadtbevölkerung; vermeintliche Transitrechte gegen lokale urbane Werte eines Ortes. Dies lässt sich an einem Zeitpunkt der Stadtentwicklung erkennen, wo das Leben in der Stadt zu einem exklusiven Gut zu werden droht.


Ein Autobahnkreuz, das nie gebaut wurde:
Dokumentation aus dem Weserkurier / Vision aus den 1960ern (Blick von Süden)

Definition des inneren und äußeren Untersuchungsgebiets / Wandbild am Rembertiring (mittlerweile restauriert, Eduard-Grunow-Str./Auf den Häfen)

Erweitertes Untersuchungsgebiet (Maßstabsebene: Schwarzplan, Pläne M.: 1:5.000, 1:2000)

Bei der Betrachtung aus Analyse und Entwurfsstrategie war in unserem Projekt das weitere Umfeld räumlich, historisch und kulturell für die Innenstadt (Bremen Mitte) heranzuziehen. Maxime aus einer nachhaltigen Stadtentwicklung, aber auch ein Postulat des ‚Rechts auf Stadt‘ finden sich in den Zielen der Stadtplanung und des Städtebaus wieder: Innenentwicklung vor Außenentwicklung, Stadt der kurzen Wege, die 15-Minuten-Stadt. Aber auch Identität und Mannigfaltigkeit (Jane Jacobs!) sollten Kriterien für jeden Ort in seinen Potenzialen oder Zielsetzung einer Entwicklung sein. Hiermit sind aktuell hehre Ziele der Stadtentwicklung benannt, an denen die Stadtplanung aus vielerlei Gründen im Alltag scheitert. Wer, wenn nicht wir, sollten diese Motive aufnehmen und zur Grundlage unserer Projektarbeit machen.


Hochstraße Breitenweg (Richtung Norden / Richtung Süden mit Perspektive auf Remberti-Kreisel)


Direkte Querstraßen: Fedelhören (oben: Richtung Osten / Richtung Westen), Hoppenbank (unten: Richtung Osten) und Rembertistraße (unten: Richtung Süden, links St. Remberti Stift)


Um den Remberti-Kreisel: Eduard-Grunow-Str. Richtung West (oben links), Rembertiring Richtung Süd auf die mittlere Grünanlage  (oben rechts), Rembertiring Richtung Nord-West (unten links), Rembertiring Richtung Norden (unten rechts) mit "Rotkäppchen-Garten".



Am Dobben: Vom Dobbenweg (Richtung Westen) / Am Dobben (Richtung Süd-Ost)

Die Aufgabe

Von außen: Die unmittelbaren Nachbarräume waren nach ihren Chancen und Defiziten kritisch zu beurteilen. Im Team sollte die zukünftige Rolle der Hochstraße in ihren Auswirkungen und Möglichkeiten diskutiert werden. Ähnlich waren die Räume Am Dobben und die damit zusammenhängenden Verkehrsflächen zu beurteilen. Es sollte typologisch ein geeigneter Maßstab für die Gebäude und die öffentlichen Räume gesucht werden.

Von innen: Zum einen, durfte die Aufgabe auch als Stadtreparatur betrachtet werden, denn entlang der Verkehrstrassen sind die Beschädigungen der Ränder auch nach einem halben Jahrhundert Entwicklungszeit immer noch deutlich. Zum anderen, hält die Fläche in und um den Kreisel, vom Breiten Weg bis zum Dobben ein erhebliches Entwicklungspotential bereit. So standen insgesamt 5 Hektar der Innenstadt zur Verfügung, dessen „Art und Maß der baulichen Nutzung“ wir neu bestimmen sollten.

Die Maßstäbe von der Analyse bis zum Entwurf reichen in der Dokumentation vom 1:5.000 bis zum 1:500.


Arbeitsphasen der Teams
1. Phase – Analyse: Stellen Sie sich die Planunterlagen zum Gebiet zusammen und studieren Sie die Unterlagen hinsichtlich aller Schichten der Stadt. Betrachtung des Flächennutzungsplans (FNP) und der Planungsgeschichte des Areals. Anfertigung einer Notation von wichtigen Phänomenen vor Ort. Legen Sie fest, welche Ebenen wichtig sind und zeichnen Sie diese in geeigneten Maßstäben auf. – Nebenher schon erste Ideenskizzen anfertigen.

2. Phase – Konzeptfindung: Annäherung an ein räumliches Leitbild über die Maßstäbe 1: 2.000 bis 1:1.000. Stellen Sie ein Umgebungsmodell her und fügen Sie zunächst i.M.: 1: 2.000 ein Modell ein, bei dem nur der öffentliche Raum ausgeformt ist. Übertragen Sie die Erkenntnisse in ein differenzierteres Modell 1:1.000 (öffentlicher und privater Raum). Springen Sie in den Maßstäben hin und her und überprüfen das räumliche Leitbild. Skizzieren der Haustypologien.

3. Phase – Vertiefung zum B-Plan:    Anfertigung von Plänen und Modellen i.M.: 1: 500 aller schwieriger (Abstände, komplizierte Stadt-Grundrisse) Situation im Ausschnitt und Entwurf des B-Plans, wie der textlichen Festsetzungen. Abgleich mit dem Regelwerk und Vorbereitung auf alle Ausnahmeregelungen (Verhandlung). Die textlichen Festsetzungen bleiben im Konzept, d.h. sie müssen nicht auf eine Planlegende gesetzt werden.