Masterthesis – Hochschule Bremen
Bremerhaven, Rathausquartier
Thorsten Böhlken, 20.3.2009

Der Entwurf des "Rathausquartiers" in Bremerhaven bearbeitet eine 23 ha große Brachfläche im Herzen der Stadt. Unweit der Autobahn A27 und zwischen den zwei Hauptverkehrsachsen der Stadt gelegen, ist dieses Areal ein Niemandsland in der Mitte einer deutschen Großstadt. Das wenig genutzte Areal befindet sich in einem stark vernachlässigten Zustand. Erst in den letzten Jahren ist es durch diverse Nutzungskonzept in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Bisher wurden ausschließlich Konzepte für einzelne Teilbereiche des Geländes entwickelt. Ein Konzept das sich mit dem gesamten Gebiet und dessen Zukunft auseinander setzt ist bis heute noch nicht entstanden.
Der städtebauliche Entwurf des "Rathausquartiers" untersucht die gesamte Brachfläche und dessen Wechselwirkung mit den bestehenden Stadtstrukturen. Hierbei ist ein Konzept entstanden, das sich durch kleinteilige Parzellierung im Laufe vieler Jahre entwickeln kann. Der Stadt die Möglichkeit zu geben, in einem unbestimmten Zeitraum zu wachsen, ist ein maßgebender Entwurfsgedanke dieses städtebaulichen Konzeptes. Das Wachstum des Viertels ist abhängig von den Bedürfnissen der Stadt. Die Nutzung der Parzellen ist weitestgehend frei gestellt. Gebaut wird nach Bedarf.
Durch Adaption der umgebenden urbanen Strukturen wird das Areal aus seiner Insellage befreit. Durch die Mischung von Nutzungen entsteht hier ein vitales innerstädtisches Viertel. Der angrenzende Fluss Geeste ist Bestandteil des Gesamtkonzeptes. Hier entstehen attraktive öffentliche Räume mit Blickbeziehung zu grünen, baumbestandenen Wiesen am anderen Flussufer. Der Entwurf integriert viele städtische Sonderfunktionen. Neben der bestehenden Stadthalle findet das zukünftige Eisstadion seinen Platz. Beide Großbauten werden in das neue urbane Geflecht eingepasst. Der zwei ha große Festplatz der Großstadt, Wilhelm-Kaisen-Platz, findet innerhalb eines drei ha großen, von Gebäuden gefassten Platzes seine neue Position. An dieser Stelle erhält Bremerhaven einen urbanen Platz der durch seine Größe und Gestalt den Ansprüchen der Stadt gerecht wird. Der Wilhelm-Kaisen-Platz ist durch das Rathaus von der Geeste getrennt. Diese Trennung lässt zwei Plätze mit unterschiedlicher Ausstrahlung entstehen. Der zum Fluss liegende Bereich verbindet das Ländliche mit dem Städtischen, der Festplatz erhält eine rein urbane Ausstrahlung.
Das dem Stadtquartier namengebende Rathaus ist ein wichtiger Baustein innerhalb des städtebaulichen Entwurfes. Die Stadt Bremerhaven verfügt derzeit über kein Rathaus. Der Neubau soll dem bisherigen Missstand ein Ende bereiten. Die an das Viertel angrenzende Stadtverwaltung behält ihre derzeitige Funktion. Das neue Rathaus übernimmt lediglich Beratungs- und Beschlussfunktionen. Es dient der Stadtverordnetenversammlung als Ratssaal und der Stadt als Repräsentationsgebäude. Das Rathaus bedient sich bewusst einer strengen und zeitlosen Formsprache. Das Gebäude ist deutlich von Büro- oder Wohngebäuden zu unterscheiden. Eine Distanzierung von diesen vorgenannten Gebäudetypen ist aufgrund der besonderen Nutzung und Bedeutung eines Rathauses unabdingbar. Ein Rathaus ist mehr als ein bloßes Verwaltungsgebäude. Das Bremerhavener Rathaus wird zu einem Symbol des Glaubens an den Bestand der Demokratie. Das Bauwerk soll für jeden Bürger und Besucher der Stadt Bremerhaven als ein Regierungsgebäude erkennbar sein.
Trotz dieses Anspruches wird das Rathaus im Zusammenspiel mit dem Wilhelm-Kaisen-Platz zu einem lebendigen innerstädtischen Ort. Räumlichkeiten wie Bürgerforum und Ausstellungsbereich machen das Gebäude zu einem zentralen Ort des gesellschaftlichen Lebens.

The urban design of the "Rathausquartier" in Bremerhaven works with a 23 acres large area in the middle of the city of Bremerhaven. Located near to the motorway A27 and the two main streets of city this area is a central no-man's-land in the heart of a German city. The area is found in a very destructed and poor state. It is just used as a parking space and two times a year as a festival square.
In recent times this part of the city has been dragged to the public's attention. Ideas on how parts of this area could be used have been published. A concept that deals with the whole area and its future is still not being made. The urban design of the "Rathausquartier" analyzes the whole unused area and its relations to the surrounding city. The concept of dividing the area into small plots makes it possible to plan those individually. To give the city the possibility to grow in an indefinite period is an essential leitmotif of the urban design. The growth of the new quarter depends on the needs of the whole city. The area will not be finished in one great step. When an investor has a clear vision for a plot it will be filled.
By adopting the surrounding urban structures the area would loose its isolated position. At this location a vital innercity quarter will develop. The adjacent river "Geeste" is part of the whole urban concept. At this bank public spaces are created along the river. From here one has a pleasant view to the green fields and the tall trees ashore. The design integrates some specific urban functions. Next to the already existing convention centre the new ice-hockey arena will be located. The two very big buildings are fitted into the urban network.
The two acres large festival square, Wilhelm-Kaisen-Platz, is set in a three acres large field surrounded by buildings. At this location Bremerhaven gets an urban square that demonstrates by size and design the claims of the town. The whole setting of the Wilhelm-Kaisen-Platz will get a sphere of dignity.
The town hall is an important brick in the urban design of the new quarter. The town of Bremerhaven has no town hall, yet. The new building will finish this unbearable situatuion.
The adjacent town administration stays unchanged from this development. The new town hall adopts only the functions of debating and deciding. It serves the town councilors as an assembly hall and the city as a place to represent itself. Intentionally the town hall uses a strict and timeless language of design. Disassociating from the building types mentioned before is an essential need because of its special use and meaning as a town hall. A town hall is more than just an office building. The Bremerhaven town hall becomes a symbol of the faith to the lasting of democratic values. The building is ought to be recognized as a governmental one by each citizen and visitor of Bremerhaven. In spite of this claim the town hall becomes by interacting with the Wilhelm-Kaisen-Platz lively innercity place.
Spaces like the "forum for citizens" and the exhibition area transform the building into a central space of the social life.

 

 

1:1000

 

1:500

 

Sockelgeschoss

Erdgeschoss

 

 

 

zum Marktplatz

 

von Süden

 

von Osten