Summer School 2026
Institut der Stadtbaukunst, 31. August - 5. September 2026
Eine nachhaltige Stadtentwicklung kommt zukünftig nicht um die städtische Qualifizierung der suburbanen Folgen einer Funktionstrennung herum. In Form von Gewerbegebieten, nach sozialen Gruppen getrennten Siedlungsformen und kommerzialisierten Zentren, haben wir während einer Epoche nicht nur nach einem energetisch fragwürdigen System geplant, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. – Hierin ist nicht allein eine Aufgabe der Stadt- und Regionalplanung zu sehen, sondern wesentlich die einer architektonischen Vorstellung von Stadtgestaltung.
Ein Aufgabengebiet – die Großsiedlung – soll exemplarisch an der Paul-Hertz-Siedlung in einer Summer School thematisiert werden. Als Leitmotiv dieser Stadterneuerung sehen wir uns einem behutsamen Umgang mit dem Bestand und insbesondere der Würdigung seiner Bewohner:innen verpflichtet.
Paul-Hertz-Siedlung, Charlottenburg Nord
Das Quartier wurde mustergültig nach den Idealen einer Stadterweiterung der 1960er entwickelt. Eine Gebäudekonfiguration aus seriellen Zeilen, komponiert in offenen begrünten Zwischenräumen – im Sinne einer Stadtlandschaft –, überwiegender Nord-Süd-Ausrichtung, flachen konzentrierten Versorgungsinseln, einer Schule und zwei christliche Gemeindezentren. Parkplätze oder -paletten bilden das Ende von Stichstraßen, angehängt an einer Ringstraße, die dieses Erschließungsprinzip an wenigen Punkten mit Berlin über die Stadtautobahnen verbindet. – Die Logik des Plans wurde zur Ästhetik des Systemischen.
Die Siedlung mit heute 8.000 Einwohnern hat sich in dieser Grunddisposition – trotz einer Nachverdichtung – im Zeitlauf von 60 Jahren baulich-strukturell kaum verändert. Dem gegenüber steht eine deutliche soziale Transformation und Dynamik* innerhalb der Bewohnerschaft des Quartiers.
Städtebau
Unter städtebaulichen Gesichtspunkten gilt es der Frage nachzugehen, inwieweit bestimmte räumliche Qualitäten im Gefüge der Siedlung herauszuarbeiten wären, um die Identität des Stadtteils zu stärken. Zudem ist eine drängende Aufgabe, wie sich Verknüpfungen mit der Nachbarschaft aufnehmen, verbessern oder gar neu herstellen lassen.
Durch die Aufstockung – unisono um ein Geschoss Anfang der 1990er – erhielt das Gebiet zwar eine zusätzliche Dichte, für einen urbaneren Charakter sind qualitative Veränderungen und zusätzliche bauliche Potentiale dennoch denkbar. Daraus kann sich die Ergänzung einer vorteilhaften sozialen Mischung ergeben. Ebenso könnte eine Nutzungserweiterung durch Gewerbe, die über Ansprüche einer einfachen Nahversorgung hinausgeht, demonstriert werden. Alternativen für den ruhenden Verkehr, der das Erscheinungsbild gegenwärtig dominiert, ließen sich erproben. – Auf welchem Wege wäre mit dem Vorhandenen die Vielfältigkeit eines Stadtteils anzustreben, die Jane Jacobs** mit Mannigfaltigkeit gleichsetzte?
Architektur
Eine Individualisierung, Umbaufähigkeit und das Spektrum an Typologien wäre Thema einer architektonischen Herangehensweise. Hierin liegt ein wesentliches Potential, Identitäten einzelner Teile des Viertels zu aktivieren. Es können Leerstellen identifiziert und besetzt, Arrondierungen entwickelt und Freiräume qualifiziert werden. Eine mögliche Aneignung privater Räume hängt von der Zugänglichkeit über die Gebäude ab. Die direkte Erschließung – Haus- und Wohnungseingänge – über den öffentlichen Raum schafft beispielsweise eine eindeutige Adressbildung und Orientierung im Quartier.
Eine Konsolidierung und Differenzierung von öffentlichen und privaten Räumen wäre eine Zielsetzung, die im Rahmen unserer Studienarbeiten als Experiment diskutiert werden könnte. Dies ließe sich durch städtebauliche und architektonische Studien skizzieren.
Summer School vom 31.8. bis 5.9. 2026 in der UdK Berlin
Die zu erarbeitende Konzepte können als Strategien einer prozesshaften Veränderung betrachten werden, die wir in dem Workshop zur Diskussion stellen.
Für eine Woche Anfang September 2026 möchten wir uns dieser Aufgabe mit Studierenden verschiedener Hochschulen mit internationaler Beteiligung in gemischten Teams widmen.
Das Vortragsprogramm während der Woche:
Stephen Taylor Architects London
Dienstag, den 1. September – 18 Uhr
Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration
Mittwoch, den 2. September – 10 Uhr
Stefan Forster, Frankfurt a. M.
Mittwoch, den 2. September – 18 Uhr
jeweils in der Universität der Künste Berlin
Institut für Architektur und Städtebau (IAS)
Hardenbergstraße 33
Raum 310
Eine Vertiefung der gewonnen Konzepte zu Semester-Projekten oder Abschlussarbeiten im folgenden Wintersemester wäre wünschenswert. Denkbar sind städtebauliche Folgeprojekte, konkrete Architektur-Projekte und baukonstruktive Vertiefungen.
Eine Dokumentation der Ergebnisse ist auf der Seite Institut der Stadtbaukunst geplant.
Unser Projekt wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen – Abteilung Wohnen und Stadterneuerung begleitet.
Unterstützt werden wir durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Abteilung Ordnung, Umwelt, Straßen und Grünflächen.![]()
Ansprechpartner bei Fragen / Contact for enquiries:
Prof. Klaus Schäfer
LB-Städtebau
UdK Berlin
k.schaefer@udk-berlin.de
Anmeldung zur Summer School bitte hier / Please register for the Summer School here / Inscription à l'université d'été ici :
Lucie Leder – Geschäftsstelle Institut für Architektur und Städtebau (IAS)
Universität der Künste Berlin
Hardenbergstraße 33
10623 Berlin
E-Mail: fk2sekr2@intra.udk-berlin.de
*Studie IfS Berlin (Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik), Studie Stärkung Berliner Großsiedlungen (2020): Profile Berliner Großsiedlungen für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
**Stadt- und Architekturkritikerin, Sachbuchautorin und Aktivistin. USA, Canada (1916-2006)
In future, sustainable urban development will have no choice but to address the urbanisation of the suburban consequences of the separation of functions.
Through the creation of industrial zones, housing estates segregated by social group and commercialised centres, we have, over the course of an era, not only planned according to an energetically questionable system, but also jeopardised social cohesion. – This is not merely a task for urban and regional planning, but fundamentally one for an architectural vision of urban design.
One area of focus – the housing estate – will be explored in a summer school using the Paul-Hertz-Siedlung as a case study. As the guiding principle of this urban regeneration, we are committed to a sensitive approach to the existing fabric and, in particular, to respecting its residents.
Paul-Hertz-Siedlung, Charlottenburg Nord
The neighbourhood was developed in an exemplary manner according to the ideals of 1960s urban expansion. A building configuration of serial rows, arranged within open, green spaces – in the spirit of an urban landscape – with a predominantly north-south orientation, compact service hubs, a school and two religious community centres.
Car parks or parking bays form the ends of cul-de-sacs, attached to a ring road that connects this development principle to Berlin via the urban motorways at a few points. – The logic of the plan became the aesthetics of the systemic.
The estate, which today has 8,000 residents, has hardly changed architecturally or structurally over the course of 60 years within this basic layout – despite redensification. In contrast, there has been a marked social transformation and dynamism* within the neighbourhood’s resident population.
Urban design
From an urban design perspective, it is necessary to examine the extent to which certain spatial qualities within the settlement’s fabric could be highlighted to strengthen the neighbourhood’s identity. Furthermore, an urgent task is to determine how connections with the surrounding neighbourhood can be maintained, improved or even new ones established.
Although the area gained additional density through the addition of a single storey across the board in the early 1990s, qualitative changes and further architectural potential are still conceivable to achieve a more urban character. This could result in the creation of a beneficial social mix. Similarly, an expansion of uses through commercial activities that go beyond the requirements of simple local amenities could be demonstrated.
Alternatives to stationary traffic, which currently dominates the street scene, could be explored. – How might the existing fabric be used to foster the diversity of a neighbourhood that Jane Jacobs** equated with vitality?
Architecture
Individualisation, adaptability and the range of typologies would be the focus of an architectural approach. Herein lies significant potential to activate the identities of individual parts of the neighbourhood. Vacant spaces can be identified and occupied, adaptations developed and open spaces enhanced. The potential appropriation of private spaces depends on accessibility via the buildings.
Direct access – building and flat entrances – via public space, for example, creates clear addressing and orientation within the neighbourhood.
A consolidation and differentiation of public and private spaces would be an objective that could be discussed as an experiment within the framework of our study projects. This could be outlined through urban planning and architectural studies.
Summer School from 31 August to 5 September 2026 at the UdK Berlin
The concepts to be developed can be viewed as strategies for process-oriented change, which we will put forward for discussion during the workshop.
For one week in early September 2026, we would like to tackle this task with students from various universities, including international participants, working in mixed teams.
The programme of lectures during the week:
Stephen Taylor Architects, London
Tuesday 1 September – 6.00 pm
Katarina Niewiedzial, Berlin Senate Commissioner for Integration and Migration
Wednesday 2 September – 10.00 am
Stefan Forster, Frankfurt am Main
Wednesday 2 September – 6.00 pm
All events will take place at the
Berlin University of the Arts
Institute of Architecture and Urban Development (IAS)
Hardenbergstraße 33
Room 310
It would be desirable to develop the concepts generated into semester projects or theses in the following winter term. Possible avenues include follow-up urban development projects, specific architectural projects and in-depth studies of building construction.
Our project is supported by the Senate Department for Urban Development, Building and Housing – Housing and Urban Regeneration Division.
We are supported by the Charlottenburg-Wilmersdorf District Office, Department of Public Order, Environment, Traffic and Green Spaces.
*Study by IfS Berlin (Institute for Urban Research and Structural Policy), Study on Strengthening Berlin’s Large Housing Estates (2020): Profiles of Berlin’s Large Housing Estates for the Senate Department for Urban Development, Building and Housing
**Urban and architectural critic, non-fiction writer and activist. USA, Canada (1916–2006)
