Hochschulseminar – Stadt und Rock 'n' Roll
 
Antwerp - A strategy of Slow urbanism
Marina Pister, 17. Februar 2024

Slow urbanism is a concept in urban planning and development that is based on the principles of slow movement and stands for a sustainable and considered approach to urban development. The aim is to create high-quality and sustainable environments. 
Due to increasing dead zones in the city center and heavy traffic congestion, Antwerp has successfully revitalized its environment through "slow urbanism". Step by step, small projects specifically targeting problem areas were implemented. Meanwhile, the city took time to develop longer-term, holistic solutions, particularly for the neglected port areas het Eilandje (the Island), Scheldekais and the adjacent port rail infrastructure such as Spoor Noord and Nieuw Zuid (New South). A 15-year strategic spatial structure plan for Antwerp was then drawn up in 2006. This provides an overarching vision for the transformation of the city, defines strategic areas for intervention and provides guidance for developments. The spatial projects were then designed to align with the overall vision. The city drafted further plans with interventions to preserve heritage, mitigate flooding, improve mobility and create public space along the Scheldt. Small-scale ownership was created, there were small interventions for affordable housing, medium-sized urban vacancies were revitalized and a large-scale redevelopment of the city was carried out.




Worum handelt es sich beim Slow Urbanism?
Auf Deutsch übersetzt bedeutet es „langsamer Städtebau“. Es ist ein Konzept in der Stadtplanung und -entwicklung, das auf den Prinzipien der langsamen Bewegung (Slow Movement) basiert und steht für eine nachhaltige und bedachte Herangehensweise an die städtische Entwicklung.
Es sollen möglichst qualitativ hochwertige und nachhaltige Umgebungen geschaffen werden. Mit der Zeit ist deutlich geworden, dass großmaßstäbliche Projekte anfälliger für Wirtschaftskrisen sind als kleine Projekte. Ein überwiegend lokaler Markt kleiner und mittelgroßer Unternehmen scheint besser in der Lage zu sein, wirtschaftliche Veränderungen abzufangen.

(https://www.terrain.org/essays/13/low.htm)


Die Hauptprinzipien des langsamen Städtebaus sind:

  • Menschenzentrierung: Es wird ein starker Fokus auf Bedürfnisse, Wünsche und lokale Kulturen der Einheimischen eingegangen.
  • Kleine Schritte und Experimente statt großer und schneller Veränderungen: Auf diese Weise lassen sich Auswirkungen bestimmter Interventionen besser zu verstehen und abwägen. Außerdem wird Zeit und Variation auf natürliche Art und Weise vereint. Durch das Aufgreifen der kleinteiligen Struktur der Eigentumsverhältnisse kommen unterschiedliche Architektur, Nutzungen und Wohnformen zu Stande. Große Projekte hingegen, neigen zur Wiederholung.
  • Nachhaltige Entwicklung: Gesellschaftliche Ideen, politische Akzente wandeln sich und auch die Marktbedingungen verändern sich. Durch den langsamen Urbanismus kann man nachhaltig auf Entwicklungen eingehen, dadurch bekommt die Planung neue Dimensionen. Es entsteht vielschichtige Urbanität. Dies funktioniert nur dann, wenn die Ausgangsplanung von hoher Qualität ist, sodass sie sich als Leitplan auf lange Sicht eignet.
  • Förderung der Lebensqualität: Ziel ist es, städtische Räume zu schaffen, die die Lebensqualität der Bewohner verbessern. Durch Grünflächen, sicheren Verkehr sowie Radwegen, durch öffentliche Plätze und kulturelle Einrichtungen.

Diese Art von städtischer Entwicklung hat sich auch für Antwerpen stark bewährt.

Antwerpen ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Antwerpen, die Teil der Region Flandern ist. Flandern ist eine der drei föderalen Regionen Belgiens und umfasst den niederländischsprachigen Teile des Landes. Das Stadtgebiet reicht im Norden bis an die Grenze zu den Niederlanden. Antwerpen zählt mehr als eine halbe Million Einwohner (ca. 506.922 Einwohner (2015)).

(https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Antwerpen_Districts.png)

Durch seinen Seehafen hat Antwerpen eine große Bedeutung. Dieser ist der zweitgrößte Europas ein wichtiger Knotenpunkt für den Warenverkehr weltweit. An der Schelde gelegen, befindet sich Antwerpen 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee und wird von Seeschiffen befahrbaren. Als einer der wenigen europäischen Häfen, die relativ unbeschadet aus dem Krieg hervorgingen, florierte der Antwerpener Schifffahrtshandel in den Nachkriegsjahren, was zu einem Bauboom von Gebäuden und Infrastrukturen führte, um den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Verfallene Gebäuden bis hin zu chronischen Verkehrsstaus prägten die Stadt. In den 1980er Jahren fand dann eine Massenauswanderung statt, da Bürger die Vororte mit zugänglicheren Wohnungen und saubererer Luft bevorzugten. Die Ringstraßeninfrastruktur der Stadt war für das hohe Verkehrsaufkommen nicht mehr ausreichend. Es fehlte langfristig eine städtebauliche Planungsstrategie.

Aufgrund zunehmender toter Zonen in der Innenstadt und schwerer Verkehrsstaus hat Antwerpen seine Umwelt erfolgreich durch den „langsamen Städtebaus“ wiederbelebt. Es wurden Schritt für Schritt kleine Projekte, die spezifisch auf Problembereiche abzielten, umgesetzt. Währenddessen nahm sich die Stadt Zeit, um längerfristige, ganzheitliche Lösungen zu entwickeln, insbesondere für die vernachlässigten Hafengebiete het Eilandje (die Insel), Scheldekais und die angrenzende Hafen-Eisenbahninfrastruktur wie Spoor Noord und Nieuw Zuid (New South).

2006 wurde dann ein 15-jähriger strategischer Raumstrukturplan für Antwerpen entworfen. Dieser bietet eine übergreifende Vision für die Transformation der Stadt, definiert strategische Bereiche für Interventionen und bietet Orientierung bei den Entwicklungen. Danach wurden die Flächenprojekte so konzipiert, dass sie sich an der Gesamtvision ausrichten. Die Stadt entwarf weitere Pläne mit Interventionen zur Erhaltung des Erbes, zur Milderung von Überschwemmungen, zur Verbesserung der Mobilität und zur Schaffung des öffentlichen Raums entlang der Schelde. Es wurden kleinteilige Eigentumsverhältnisse geschaffen, es gab kleine Eingriffe für bezahlbaren Wohnraum, mittelgroße städtische Leerstände wurden neu belebt und eine großflächige Neugestaltung der Stadt wird durchgeführt.

In der sogenannten Antwerpener Smart Zone, die sich im Stadtteil Sint Andries befindet, werden Smart-City-Innovationen mit Bewohnern und Besuchern getestet, die Feedback geben. Es ist wie ein lebendes Labor. Die Stadtbehörden sind in der Lage, ihre Auswirkungen von Ideen zu bewerten. Durch das Fokussieren auf qualitativ hochwertige Ergebnisse hat Antwerpen im Laufe der Zeit gezeigt, dass der „Slow Urbanism“, der auf langfristigem Engagement basiert, einen tiefen Einfluss auf die Stadt hat.
Es ermöglicht nicht nur, dass die Stadterneuerung an die sich ständig entwickelnde Realität angepasst wird, sondern auch, dass Bürger und anderen Interessensgruppen beim Prozess zur Ideenfindung und Verwirklichung ihrer Umgebung beitragen können.


(https://www.imec.be/nl/vlaamse-innovatiemotor/impactdomeinen/smart-cities/antwerp-living-labs)

Mit diesen ganzen Interventionen verfolgt Antwerpen eine Vision - sie will die lebenswerteste Stadt Flanderns sein.
Deshalb konzentriert sich der strategische Raumplan von Antwerpen auf drei Themen:

  • die lebendige Wohnstadt
  • die widerstandsfähige Landschaft
  • die intelligente vernetzte Stadt

Antwerpen soll eine Stadt werden, die wirklich den Menschen gehört.

Um die Bevölkerung an dem Prozess der städtischen Entwicklung teilhaben zu lassen, wurden "Ring Days" eingeführt, an denen Umfragen an Einheimischen durchgeführt wurden und werden, um Bedenken und Ideen zu sammeln und die Bevölkerung nachhaltig mit einzubeziehen.

Beispiele:

(https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/)
links früher, rechts heute
Eine ehemalige, heruntergekommene Tankstelle an der Ecke Provinciestraat, die für private Investoren uninteressant war, wurde von AG VESPA gekauft, umgebaut und in ein neues Wohngebäude verwandelt.



(https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/)
links früher, rechts heute
Der Het Eilandje - Das historische Hafenviertel, ist Ende des 20. Jahrhunderts verkommen. Heute ist es ein lebendiges Stadtviertel.



(https://magazine.antwerpen.be/open-monumentendag-2020/sprk-en-buursporthal-spoor-noord , https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/features/antwerp-slow-urbanism/)
links früher, rechts heute
Das Spoor Nord war früher ein Rangierbahnhof und ein unzusammenhängendes Wohngebiet. Die Stadt funktionierte das Gebiet zu einem Landschaftspark um, der 2008 eröffnet wurde. Zu den Merkmalen des Parks gehörten die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien, eine interne Wasserbewirtschaftung, Sport, Erholung und die Einbringung von Kultur sowie die Wiederverwendung ehemaliger Eisenbahngebäude.



(https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/)
links früher, rechts heute
Das Green Quarter war ein stillgelegtes Militärkrankenhaus, welches im Zuge des Slow urbanism renoviert wurde. Heute beherbergt es mehr als 400 Familien sowie ein Michelin-Stern-Restaurant und andere lokale Unternehmen.



(https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/)
links früher, rechts heute
Das Port House war eine alte Feuerwache, die als Büro für rund 500 Mitarbeiter des Antwerpener Hafens diente. Der Neubau von Zaha Hadid Architects bietet einen Blick auf den Hafen.



(https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/)
links früher, rechts in Zukunft
Ein aktuell großes Projekt, der Umgestaltung der Ringstraße.


(https://www.latzundpartner.de/de/projekte/urbane-transformation/over-de-ring-antwerpen-be/)
Dies ist ein Beispiel für eine Idee an einem Abschnitt der Umgehungsstraße, die zeigt, wie neue Parks und Grünanlagen dazu beitragen können, bisher unzusammenhängende Stadtteile zu überbrücken und neue öffentliche Räume zu schaffen. Ein Teil der Straße soll unterirdisch geführt werden.

Quellen:
Bilder:

  • https://schwarzplan.eu/lageplan-antwerpen/
  • https://www.terrain.org/essays/13/low.htm
  • https://www.agvespa.be/projecten/eilandje
  • https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/
  • https://magazine.antwerpen.be/open-monumentendag-2020/sprk-en-buursporthal-spoor-noord
  • https://www.latzundpartner.de/de/projekte/urbane-transformation/over-de-ring-antwerpen-be/
  • https://www.antwerpenmorgen.be/nl/projecten/de-grote-verbinding/doe-mee/dgv-ringdagennovember-2019
  • https://www.imec.be/nl/vlaamse-innovatiemotor/impactdomeinen/smart-cities/antwerp-living-labs
  • https://www.antwerpenmorgen.be/nl/projecten/de-grote-verbinding/doe-mee/dgv-ringdagennovember-2019
Inhalt:
  • https://www.bauwelt.de/themen/Slow-Urbanism-Een-Nieuw-Perspectief-Antwerpen-Stadtentwicklung-2096246.html
  • https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/features/antwerp-slow-urbanism/
  • https://www.leekuanyewworldcityprize.gov.sg/resources/in-pictures/antwerp/
  • https://www.antwerpenmorgen.be/nl/projecten/structuurplan-in-ontwikkeling/over